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Dienstag, 6. August 2013
Von einem der Rückrad beweist
Wie sich der Bürgermeister einer niedersächsischen Stadt gegen Rechtsextreme wehrte, die den Totschlag eines jungen Mannes für ihre Zwecke zu nutzen versuchen, und sich auch durch übelste Beschimpfungen und Bedrohungen nicht verunsichern ließ. Sehr gut gemacht, Herr Lemmermann!
Sonntag, 14. Juli 2013
Ramadan global
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Bilder, die zeigen, wie Muslime auf der ganzen Welt Ramadan begehen, beten, fasten und feiern findet man jedes Jahr wieder in "westlichen" Zeitungen. Und jedes Mal bin ich wieder fasziniert. Wie oft wird doch davon ausgegangen, dass Muslime weltweit doch irgendwie alle gleich seien - schließlich teilen sie die Religion.
- 6. Ramadan -
.
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Virtuelle Reise um die Welt
Wie oft vergessen wir, dass der Islam keineswegs nur in der Türkei, dem Iran und arabischen Staaten verbreitet ist, sondern fast überall auf der Welt Muslime leben und ihre Religion praktizieren - auf oft ganz unterschiedliche Art und Weise. Indonesien, Pakistan, Dubai, Frankreich, Serbien, Jemen, Palästina, Türkei - diese Bilderserie nimmt mit auf eine Reise um die Welt.
Vertraute Bilder
Beim Durchsehen der Bilder kam mir vieles vertraut vor, hatte ich doch in einigen der gezeigten Länder selbst schon Ramadan verbracht. Ein Text ist mir wieder eingefallen, den ich vor zwei Jahren für Muslime Helfen geschrieben habe - zu genau dem Thema, nämlich wie in Ländern rund um die Welt, all den Ländern, in denen ich in den letzten Jahren Ramadan verbracht habe, gefastet und gefeiert wird.
Ramadan in Paris, Bulgarien, London, Palästina, Indien...
Wie also feiert man Ramadan in ... Westdeutschland, Bulgarien, Ostdeutschland, Paris, Palästina, Indien, Pakistan, London? Hier geht es zu meinem in drei (eins, zwei, drei) Teilen veröffentlichten Text auf der Webseite von Muslime Helfen!
Ramadan in Paris, Bulgarien, London, Palästina, Indien...
Wie also feiert man Ramadan in ... Westdeutschland, Bulgarien, Ostdeutschland, Paris, Palästina, Indien, Pakistan, London? Hier geht es zu meinem in drei (eins, zwei, drei) Teilen veröffentlichten Text auf der Webseite von Muslime Helfen!
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Mittwoch, 6. Februar 2013
GIGA-Forum: China und Indien
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"China und Indien:Globaler Aufstieg ohne soziale Gerechtigkeit?
Referenten:
Prof. Dr. Joachim Betz (Universität Hamburg/GIGA),
Dr. Daniel Neff
(GIGA),
Dr. Günter Schucher (GIGA)
Moderation: Dr. Margot Schüller (GIGA)
Termin: Mittwoch, 20. Februar 2013, 18:00-19:30 Uhr
Ort: GIGA, Neuer Jungfernstieg 21, 20354 Hamburg, Raum 519 (5. Stock)
China und Indien haben die Chancen der Globalisierung besser genutzt als andere
Entwicklungsländer. Hohe Wachstumsraten, steigende Exporte und technologische
Aufholprozesse spiegeln den Erfolg ihrer Integration in die Weltwirtschaft wider.
Zwar nahm das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in diesen Ländern schnell zu,
doch gleichzeitig verschlechterte sich die Einkommensverteilung auf dramatische
Weise.
Auch ging das Wachstum zu Lasten bestimmter Gruppen wie der Wanderarbeiter,
gering qualifizierter Frauen und ethnischer Minderheiten. Ein Mangel an sozialer
Mobilität, fehlende Bildungs- und Aufstiegschancen, behindert eine ausgeglichene
Entwicklung. Der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Stabilität scheinen
zunehmend dadurch gefährdet, dass nicht alle gesellschaftlichen Gruppen am
wirtschaftlichen und sozialen Wandel partizipieren.
Die Referenten untersuchen in Ihren Vorträgen und der anschließenden Diskussion,
welche Konzepte China und Indien verfolgen, um eine sozial verträgliche Entwicklung
zu erreichen. Weiterhin wird am Beispiel unserer Forschung zu Bildung und Armut in
Indien gezeigt, welche Herausforderungen bestehen, um eine größere soziale Mobilität
zu realisieren."
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Montag, 28. Januar 2013
Grenzenlos
Memories Without Borders
Ein türkisch-armenisch-aserbaidschanischer Dokumentarfilm
Memories Without Borders ist eine 54-minütige Dokumentation, die die Auswirkungen konfliktreicher Vergangenheit auf das Leben Einzelner heute betrachtet. An der Schnittstelle von offizieller Geschichte und persönlichen Geschichten fordert Memories Without Borders die Zuschauer dazu heraus, sich zu fragen: was entscheiden wir uns, von anderen zu erinnern und was entscheiden sich andere, von uns zu erinnern?
Veröffentlicht wurde der Film von Conciliation Resources (CR), einer Peacebuilding-NGO, die Menschen, die direkt von Konflikten betroffen sind, dabei unterstützt, sich für Lösungsstrategien einzusetzen. CR arbeitet mit den Betroffenen zusammen daran, das kollektive Verständnis des Konflikts zu vertiefen, gespaltene Gemeinschaften zusammen zu bringen und Möglichkeiten zu schaffen, Differenzen friedlich zu überbrücken.
Mittwoch, 19. Dezember 2012
Deutschland
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Erster Gedanke: Gott, ist das alles provinziell hier.Etwas später: Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht.
Aber als Bekopftuchte, Turbanträger, Dunkelhäutige, Andersartiger hat man es doch in London einfacher. Was hier in Frage gestellt wird, wird dort toleriert. Und nach so und so viel Monaten und Jahren London habe ich einfach keine Lust mehr, mich für ein Kopftuch zu rechtfertigen, deswegen keinen Job zu bekommen, als anders angesehen zu werden. Ich weiß jetzt, dass es auch anders geht und hab, sorry, auf den Zirkus hier keine Lust mehr.
Auf dem Bahnsteig: Wo krieg ich jetzt nen Mülleimer her?
In der U-Bahn: Achso, klar, ist ja gar kein Problem, hier gibt's ja Mülleimer in den Waggons!
Zu Hause, bei Freunden, bei Familie: Wow, Alle wohnen so schön! Die Häuser - renoviert. Die Elektrik - funktioniert. Die Bäder - saniert. Selbst, wenn da kein Einkommen, sondern nur Sozialhilfe ist.
In der Stadt: Ach Mist, die Flasche hätte ich nicht wegschmeißen sollen - da gibt's doch Pfand drauf!
Im Zug: Mist, fünf Minuten zu spät. Krieg ich den Anschlusszug noch?!
Am Bahnhof: Na toll, sechs Minuten Verspätung, kein Zug in Sicht. Mensch, bin ich sauer. Blöde Bahn!!
Lautsprecheransage: Anschlusszug hat Verspätung. Deutschland - wo man sich wegen einer Verspätung keine Sorgen machen muss, der nächste Zug kommt schließlich auch zu spät. (Aber nach dem dritten Zug musste ich rennen. In der Kälte. Mit Kleinkind auf dem Arm und Koffer im Schlepptau. Das vergess ich dir nicht, DB!)
Deutschland - welcome back.
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Mittwoch, 24. Oktober 2012
Malala
Wahr.
Leider genauso wahr.
(How many of you would know my name ...
if I was murdered by a U.S. drone?)
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Samstag, 1. September 2012
Die gleiche Stadt war das nicht mehr
Oder: Ein Ort in Ostdeutschland vor der Wende
und 10, 20 Jahre danach
In der Stadt, in der ich in Deutschland studiert habe, irgendwo im Osten der Republik, hatte sich 10, 20 Jahre nach der Wende viel getan. Ein Großteil der Häuser, vor allem im Zentrum der Stadt, waren saniert worden, manches abgerissen, und die eine Einkaufshalle, die andere Shopping Mall neu dazu gekommen. Das eine oder andere Gebäude stand zwar noch immer wie vor einigen Jahren da, aber die gleiche Stadt war das nicht mehr. Es sah neuer aus, schicker, weniger nach DDR, mehr nach neuem Deutschland, was immer das auch sein sollte.
Ein neuer Staat
Mit der Verabschiedung des alten Oststaates waren aber nicht nur neue Gelder für Stadtplanung und die Aufmöbelung der Infrastruktur in die Kasse geflossen, die Bewohner der Stadt sahen sich auch mit einer Umwälzung konfrontiert, die ihresgleichen sucht. Ein neuer Staat, neues Geld, neue Telefonnummern, Postleitzahlen, ein neues Schulsystem, neue Geschichten von Gut und Böse, neue Helden und Verlierer. Arbeitslosigkeit.
Perspektivlosigkeit
Perspektivlosigkeit. Ob hier irgendwann mal wieder irgendwas richtig ginge? Klar gab es noch lokale Betriebe, Einzelhandel, die Universität, eine Institution hier, eine Organisation dort, wo der eine oder andere unterkam (oder untergekommen bleiben konnte), aber insgesamt sah die Situation nicht rosig aus. Die, die konnten, packten. Und gingen. Und so kam es, dass die Einwohnerzahl der Stadt drastisch sank. Ab in den Westen. Gingen viele.
Wohnen wollte da keiner
Die Wohnungen, die sie hinterließen, die sie zuvor noch gemietet hatten, standen eine Weile leer. Waren saniert worden oder auch nicht. Aber irgendwann stellte sich die Frage, was zu tun sei mit Tausenden, Zehntausenden an leeren Wohnungen. Manches machte sich ja nach der Sanierung ganz gut. Neu verputzt und gestrichen, neues Bad, neue Küche und ein Balkon dran - das macht schon 'nen Unterschied. Aber anderswo in der Stadt wäre es wohl einfach zu teuer geworden, all diese Blöcke zu renovieren. Und: wohnen wollte da, etwas auswärts gelegen, keiner. Sanierte Platten (die nach der Renovierung eigentlich genauso aussahen wie ähnliche Wohnblöcke im Westen), sanierte Platten gab's auch näher am Zentrum, genauso nett renoviert, aber besser angeschlossen und schöner gelegen.
Stadtteile, die es nicht mehr gibt
Es gibt Leute, die, ungefähr so alt wie ich, in der Stadt, in der ich studiert habe, groß geworden sind, und die, wenn sie heute zu Besuch in die Stadt fahren - denn wohnen tun sie da schon lange nicht mehr -, das Viertel, in dem sie einst groß wurden, nicht mehr erkennen. Weil so viel abgerissen wurde, dass es den Stadtteil nicht mehr gibt, so nicht mehr gibt, wie vorher.
Gang der Dinge?
Wahrscheinlich ist das normal, und einfach der Gang der Dinge (hatten wir das nicht schon mal beim Thema Gentrifizierung?), und für die, die damals Kinder waren, einfach auch Teil des Erwachsenwerdens und Teil des Prozesses, zu verstehen, dass sich genauso wie sich die Dinge ändern, man selbst sich ja auch ändert - aber es gibt nun mal Leute, die, wenn sie zurück an den Ort fahren, an dem sie groß geworden sind, durch Straßen und an Häusern vorbei laufen können, die sich zwar verändert haben, aber noch da sind.
Bilder
Wie ich - wieder - auf das Thema komme? Durch eine Fotoserie einer jungen Fotografin, die Orte ihrer Kindheit - lange nach der Wende: es tut sich auch heute noch viel! - im Abstand mehrer Jahre wiederbesucht, abgelichtet und mit Aufnahmen, die dort in ihrer Kindheit entstanden sind, kontrastriert hat. Und durch diesen Artikel über einen jungen Mann aus dem Westen, der um 1990 und dann noch einmal zehn Jahre später Ansichten von Ostdeutschlands Innenstädten dokumentierte. Mensch, was ein Wandel!
Frankfurt (Oder). Oder Chemnitz. Brandenburg. Görlitz. Eberswalde. Cottbus. Greifswald. Rostock. Wismar. Stralsund. Freiberg. Zwickau. Halle. Magdeburg. Jena. Weimar. Oder so.
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Dienstag, 24. Juli 2012
Der Papa heißt Andrey
- 5. Ramadan -
Andrey lerne ich auf dem Spielplatz kennen. Er ist mit seiner kleinen Tochter, die etwas jünger als das Lieschen ist, dort, was das Lieschen ganz toll findet, weil sie ja mit der Kleinen spielen könnte. Alleine fragen, ob das dem Mädchen auch so geht, will sie natürlich nicht, also muss Mama mit und Übersetzer spielen.
Der Papa heißt Andrey
Es stellt sich heraus, die Kleine will, und ihr Papa ist auch ganz nett, heißt Andrey und findet es, obwohl er Russe ist, normal, dass die Frau mit dem komischen Tuch auf dem Kopf mit ihm spricht (nein, dass ist nicht bei allen Osteuropäern hier in London der Fall; denke mir halt immer - ich habe selbst in Osteuropa gelebt -, die sind die Diversität nicht so gewöhnt wie jemand von hier).
High-skilled immigrant
Aber Andrey ist in der Hinsicht cool, seine Tochter heißt genauso wie das Lieschen, und ein kleiner Bruder, der etwas älter ist als das Lieschen, springt da auch noch rum. Andrey erzählt, dass sie vor sechs oder sieben Jahren nach London gekommen sind, die beiden Kleinen sind beide hier geboren. Ein Programm für high-skilled worker machte es ihnen möglich, überzusiedeln. Am Anfang war es sehr schwer, erklärt Andrey, aber in der Zwischenzeit hätten sie beide einen Job, und es wäre halt Routine.
Verständnisschwierigkeiten
Er arbeitet in der IT-Branche. Sein Englisch ist flüssig, aber dafür, dass er seit sechs Jahren in London lebt, wirklich nicht gut. Die Kinder sprechen beide nur Russisch. Der Kleine geht in der Zwischenzeit in die Schule, was schwierig sei, weil nicht alle Lehrer geduldig genug seien, so langsam und deutlich zu sprechen, dass sein Sohn es verstünde.
Russischsprachige Tagesmutter
Andreys Frau hätte Abschlüsse in Musik, Kunst und Psychologie und sich als Tagesmutter selbstständig gemacht. Teilweise hätten sie elf Kinder gehabt, drei Lehrer eingestellt, die den Kindern Mathe, Kunst, Musik, Lesen und Schreiben beigebracht hätten. Umgangssprache war Russisch, die Zielgruppe russischsprachige und litauische Kinder. Davon gibt es in manchen Teilen Ostlondons richtig viele. Er lacht: "Wir haben immer noch sooo viele Spielsachen zu Hause."
Oma passt auf das Kind auf
In der Zwischenzeit läuft das Geschäft mit der Kinderbetreuung nicht mehr so gut. Viele der Osteuropäer, die in den letzten Monaten und Jahren nach London kamen, und kleine Kinder mitbringen oder hier eins bekommen, bringen die Oma von zu Hause mit. Da wohnen dann Papa, Mama, Kind und Oma in einem Zimmer; die Eltern gehen arbeiten und Oma passt auf das Kleine auf. "Jetzt haben wir nur noch ein paar Kinder in der Betreuung", erklärt Andrey.
Russland und der Islam
Während wir uns unterhalten, überlege ich, warum so mancher Russe, den ich kenne,Vorbehalte gegenüber Muslimen hat. "Na ja, die haben Tschetschenien, Anschläge in Beslan, in Moskau, wer weiß, wie du zu Muslimen und dem Islam stehen würdest, wenn dass das einzige Bild dieser Religion wäre, das du präsentiert bekämst", denke ich mir und bin froh, dass Andrey aus Moskau oder Petersburg kommt, weil ja alle coolen, toleranten Leute immer in den Großstädten leben.
Vorurteile haben wir alle
Dann erzählt Andrey, dass sie aus Astrachan kommen, einer mittelgroßen Stadt nördlich des Kaspischen Meeres und ich will mir gegen den Kopf schlagen für meine Dummheit, Astrachan liegt nur ein paar hundert Kilometer vom Nordkaukasus, von Tschetschenien, Inguschetien, das weiß ich, und ich denke mir, wie doof ich bin, zu glauben, dass er, weil er einer Muslimin offen und tolerant gegenüber ist, aus einer der großen Städte in Russlands Westen kommen muss - als ob man, nur weil man aus der Provinz kommt, doof und vernagelt sein muss und die Menschen dort keinen Kopf haben, den sie benutzen können, kein Hirn, das sie befähigt, zu differenzieren. Tja, Vorurteile, da hat man's mal wieder, haben wir alle.
Und ein russischsprachiger Nepalese ist da auch noch unterwegs
Und so stehen wir da auf dem Spieplatz in der Sonne, denn endlich, endlich, endlich lässt die sich auch mal hier in London blicken, und ich rufe meinem Lieschen was auf Deutsch zu, und er seinen Kindern was auf Russisch, und das kriegt ein südasiatisch aussehender Mann mit, der ihn prompt auf Russisch anspricht. Woher er denn käme, ob er Russe sei, und falls ja, woher aus Russland. Andrey antwortet, und es stellt sich heraus, dass der Mann aus Nepal kommt, aber in Russland gelebt hat - soviel Russisch verstehe ich auch noch, um das mitzubekommen.
Danke, Andrey
Andrey macht noch Bilder von dem Lieschen und seinen beiden Kleinen, wie sie zu zweit (die dritte im Buggy) den Buggy über den Spielplatz schieben, und verspricht, sie mir am nächsten Tag zu schicken. Hat er gemacht, danke, Andrey.
Andrey lerne ich auf dem Spielplatz kennen. Er ist mit seiner kleinen Tochter, die etwas jünger als das Lieschen ist, dort, was das Lieschen ganz toll findet, weil sie ja mit der Kleinen spielen könnte. Alleine fragen, ob das dem Mädchen auch so geht, will sie natürlich nicht, also muss Mama mit und Übersetzer spielen.
Der Papa heißt Andrey
Es stellt sich heraus, die Kleine will, und ihr Papa ist auch ganz nett, heißt Andrey und findet es, obwohl er Russe ist, normal, dass die Frau mit dem komischen Tuch auf dem Kopf mit ihm spricht (nein, dass ist nicht bei allen Osteuropäern hier in London der Fall; denke mir halt immer - ich habe selbst in Osteuropa gelebt -, die sind die Diversität nicht so gewöhnt wie jemand von hier).
High-skilled immigrant
Aber Andrey ist in der Hinsicht cool, seine Tochter heißt genauso wie das Lieschen, und ein kleiner Bruder, der etwas älter ist als das Lieschen, springt da auch noch rum. Andrey erzählt, dass sie vor sechs oder sieben Jahren nach London gekommen sind, die beiden Kleinen sind beide hier geboren. Ein Programm für high-skilled worker machte es ihnen möglich, überzusiedeln. Am Anfang war es sehr schwer, erklärt Andrey, aber in der Zwischenzeit hätten sie beide einen Job, und es wäre halt Routine.
Verständnisschwierigkeiten
Er arbeitet in der IT-Branche. Sein Englisch ist flüssig, aber dafür, dass er seit sechs Jahren in London lebt, wirklich nicht gut. Die Kinder sprechen beide nur Russisch. Der Kleine geht in der Zwischenzeit in die Schule, was schwierig sei, weil nicht alle Lehrer geduldig genug seien, so langsam und deutlich zu sprechen, dass sein Sohn es verstünde.
Russischsprachige Tagesmutter
Andreys Frau hätte Abschlüsse in Musik, Kunst und Psychologie und sich als Tagesmutter selbstständig gemacht. Teilweise hätten sie elf Kinder gehabt, drei Lehrer eingestellt, die den Kindern Mathe, Kunst, Musik, Lesen und Schreiben beigebracht hätten. Umgangssprache war Russisch, die Zielgruppe russischsprachige und litauische Kinder. Davon gibt es in manchen Teilen Ostlondons richtig viele. Er lacht: "Wir haben immer noch sooo viele Spielsachen zu Hause."
Oma passt auf das Kind auf
In der Zwischenzeit läuft das Geschäft mit der Kinderbetreuung nicht mehr so gut. Viele der Osteuropäer, die in den letzten Monaten und Jahren nach London kamen, und kleine Kinder mitbringen oder hier eins bekommen, bringen die Oma von zu Hause mit. Da wohnen dann Papa, Mama, Kind und Oma in einem Zimmer; die Eltern gehen arbeiten und Oma passt auf das Kleine auf. "Jetzt haben wir nur noch ein paar Kinder in der Betreuung", erklärt Andrey.
Russland und der Islam
Während wir uns unterhalten, überlege ich, warum so mancher Russe, den ich kenne,Vorbehalte gegenüber Muslimen hat. "Na ja, die haben Tschetschenien, Anschläge in Beslan, in Moskau, wer weiß, wie du zu Muslimen und dem Islam stehen würdest, wenn dass das einzige Bild dieser Religion wäre, das du präsentiert bekämst", denke ich mir und bin froh, dass Andrey aus Moskau oder Petersburg kommt, weil ja alle coolen, toleranten Leute immer in den Großstädten leben.
Vorurteile haben wir alle
Dann erzählt Andrey, dass sie aus Astrachan kommen, einer mittelgroßen Stadt nördlich des Kaspischen Meeres und ich will mir gegen den Kopf schlagen für meine Dummheit, Astrachan liegt nur ein paar hundert Kilometer vom Nordkaukasus, von Tschetschenien, Inguschetien, das weiß ich, und ich denke mir, wie doof ich bin, zu glauben, dass er, weil er einer Muslimin offen und tolerant gegenüber ist, aus einer der großen Städte in Russlands Westen kommen muss - als ob man, nur weil man aus der Provinz kommt, doof und vernagelt sein muss und die Menschen dort keinen Kopf haben, den sie benutzen können, kein Hirn, das sie befähigt, zu differenzieren. Tja, Vorurteile, da hat man's mal wieder, haben wir alle.
Und ein russischsprachiger Nepalese ist da auch noch unterwegs
Und so stehen wir da auf dem Spieplatz in der Sonne, denn endlich, endlich, endlich lässt die sich auch mal hier in London blicken, und ich rufe meinem Lieschen was auf Deutsch zu, und er seinen Kindern was auf Russisch, und das kriegt ein südasiatisch aussehender Mann mit, der ihn prompt auf Russisch anspricht. Woher er denn käme, ob er Russe sei, und falls ja, woher aus Russland. Andrey antwortet, und es stellt sich heraus, dass der Mann aus Nepal kommt, aber in Russland gelebt hat - soviel Russisch verstehe ich auch noch, um das mitzubekommen.
Danke, Andrey
Andrey macht noch Bilder von dem Lieschen und seinen beiden Kleinen, wie sie zu zweit (die dritte im Buggy) den Buggy über den Spielplatz schieben, und verspricht, sie mir am nächsten Tag zu schicken. Hat er gemacht, danke, Andrey.
Montag, 16. Juli 2012
Uni-Rassismus
Ein super Artikel von Kübra zum Thema Rassismus an deutschen Universitäten (und den Vergleich mit einer englischen Universität - wobei man wissen muss, dass sie an einer der als liberalsten geltenden Unis in Großbritannien studiert hat) findet sich in der heutigen Ausgabe von ZEIT Online.
Mir ging es gut an meiner Uni in Deutschland - aber ich glaube, das hatte vor allem auch damit zu tun, dass es weder bei uns an der Uni noch in der Stadt (in Ostdeutschland!) andere Kopftuchträgerinnen gab. Als ich zu studieren begann, war ich die einzige Kopftuchtante an der ganzen Universität (später gab es noch ein oder zwei andere) und in der Stadt habe ich in den zweieinhalb Jahren, die ich dort studierte, nur ein oder zwei andere Betuchte gesehen. Statt wegen meines Kopftuchs Nachteile zu haben, war ich bekannt wie ein bunter Hund, jeder kannte mich und ich war mir sicher, im Seminar auch nur einmal den Mund aufmachen zu müssen, um zu wissen, dass Prof und Studenten meinen Namen erst einmal gespeichert hatten (was in einem überfüllten Vorlesungssaal oder Seminarraum schon was wert ist).
Am besten an Kübras Artikel hat mir übrigens das Ende gefallen. Den Spruch, den der Prof dort bringt, habe ich schon öfters von Freundinnen gehört, die Ähnliches selbst erleben mussten. Von einer, die so gekontert hat, wie die Frau in Kübras Artikel, habe ich noch nicht gehört. Es wird also, Freunde. Es wird!
Mir ging es gut an meiner Uni in Deutschland - aber ich glaube, das hatte vor allem auch damit zu tun, dass es weder bei uns an der Uni noch in der Stadt (in Ostdeutschland!) andere Kopftuchträgerinnen gab. Als ich zu studieren begann, war ich die einzige Kopftuchtante an der ganzen Universität (später gab es noch ein oder zwei andere) und in der Stadt habe ich in den zweieinhalb Jahren, die ich dort studierte, nur ein oder zwei andere Betuchte gesehen. Statt wegen meines Kopftuchs Nachteile zu haben, war ich bekannt wie ein bunter Hund, jeder kannte mich und ich war mir sicher, im Seminar auch nur einmal den Mund aufmachen zu müssen, um zu wissen, dass Prof und Studenten meinen Namen erst einmal gespeichert hatten (was in einem überfüllten Vorlesungssaal oder Seminarraum schon was wert ist).
Am besten an Kübras Artikel hat mir übrigens das Ende gefallen. Den Spruch, den der Prof dort bringt, habe ich schon öfters von Freundinnen gehört, die Ähnliches selbst erleben mussten. Von einer, die so gekontert hat, wie die Frau in Kübras Artikel, habe ich noch nicht gehört. Es wird also, Freunde. Es wird!
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Samstag, 30. Juni 2012
Biester
Interessanten Artikel zum Thema Kindererziehung im Netz gefunden. Drüber nachgedacht. Teilen gewollt.
Voilà: "Spoiled Rotten".
Voilà: "Spoiled Rotten".
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Mittwoch, 6. Juni 2012
Great British Summer - Teil 1
London feiert: 60 Jahre mit der Queen
Eigenartige Mischung aus modern und traditionell
Massen an Menschen mit Union-Jack-Fahnen
So was gäbe es in Deutschland nicht
Gut gerüstet - auch für die Spiele?
Ein great British summer stehe den Briten bevor, so der aktuelle Werbe-Slogan eines der größten britischen Supermärkte. Teil 1 (check) haben wir hinter uns, das Diamond Jubilee der Queen, 60 Jahre UK mit der Queen (noch ein Werbespruch, diesmal eines britischen Magazins: "In 1952, a woman knew her place. In 2012, she's still there"). Dass London ein Großereignis (das erste diesen Sommer) bevorstand, war schon seit Wochen zu verspüren. In Supermärkten, an Kiosken, im Post Office, überall gab es UK- und Queen-Devotionalien zu erstehen, street parties sollte man planen, und London freute sich auf die zwei zusätzlichen Feiertage.
Eigenartige Mischung aus modern und traditionell
Die Feierlichkeiten bestanden aus einer Reihe von Veranstaltungen, eine eigenartige Mischung aus modern und traditionell - aber vielleicht ist es gerade das, was das britische Königshaus ausmacht? Am Sonntag Bootsfahrt mit Queen und Königsfamilie auf der Themse, am Montag ein Popkonzert vor dem Buckingham Palace und irgendwann danach ein Gottesdienst in überfüllter Kirche. Nach 10 Tagen strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen war London pünktlich zu den Festlichkeiten wieder seiner eigentlichen Identität treu geworden - und es regnete Hunde und Katzen.
Massen an Menschen mit Union-Jack-Fahnen
Aber das hielt die Massen vom Queen-auf-dem-Boot-Bewinken nicht ab. Und für das Konzert am Montagabend war es dann wenigstens trocken. Bei uns im Viertel verteilten Freiwillige der lokalen Kirchengemeinde kleine Union Jack-Cupcakes und die Straßen waren voll mit Londonern jedweger couleur, die sich diesen Morgen für ein rot-weiß-blaues Outfit entschieden hatten. Und spätestens als ich am Dienstagabend vor dem Fernseher saß und mir das Spektakel betrachtete (nein, die Menschenmassen tue ich mir nicht live an), sah, wie ein Meer von Menschen mit kleinen Union Jack-Fahnen in der Hand begeistert Richtung Bühne und Queen wedelte, wurde mir klar, dass all diese Menschen nicht nur eine Königin und ihr Jubiläum feiern, sondern ein bisschen auch sich selbst - und das Land, das in den letzten 60 Jahren zu dem wurde, was es heute ist.
So was gäbe es in Deutschland nicht
Während des Konzerts spielten einige der erfolgreichsten Popmusiker der letzten sechzig Jahre auf, Paul McCartney (auch nicht mehr der Jüngste), Elton John (in pink glitzerndem Jackett), Robbie Williams (in gefakter Uniform), und Britannien zeigte sich von seiner scheinwerfergerechtesten Seite. Da passte die Queen mit ihren oft abgefahrenen Hüten und Kostümen (schräg, leicht ekzentrisch - so sehen sich die Briten gerne) gut dazu. Für einen Moment versuchte ich mir, tausende von fröhlichen, euphorischen Menschen mit Deutschlandfähnchen in der Hand, die einem Horst Köhler, Christian Wulff oder Joachim Gauck zujubeln, vorzustellen - aber das war natürlich vollkommen abwegig, selbst nach dem berühmten deutschen Sommer 2006: So was gäbe es in Deutschland nicht.
Gut gerüstet - auch für die Spiele?
Dass das Jubiläum nicht nur in London begangen wurde, sondern ein landesweites Event war, wurde an den Menschenmassen, deutlich, die über das Wochenende in die Haupstadt strömten - und das trotz strömenden Regen. Das Lieschen und ich landeten am Sonntag ganz unverhofft in solch einem Auflauf, als wir von außerhalb Londons am Bahnhof Waterloo ankamen. Menschen über Menschen, überhaupt-gar-kein Durchkommen, teilweise musste der Bahnhof gesperrt werden. Trostpunkt: London war gut gerüstet. Hinweisschilder hier, Absperrbänder dort und Bahnmitarbeiter und Polizisten, die an strategisch günstigen Punkten positioniert waren, um den Verkehr zu regeln und Auskunft zu geben. Sieht so aus ... als könnten die Olympischen Spiele kommen!
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Freitag, 27. April 2012
Kino: "Heimwärts"
Drei Töchter erforschen die Migration ihrer Eltern
"Im Zuge der Studentenbewegung kamen Michiko und Taichiro Kajimura aus Japan nach Westberlin – und bleiben hängen. Ágnes und Péter Bakacs hatten die seltene Chance, legal aus Ungarn in die BRD zu ziehen. Nach 22 Jahren kehren sie als Rentner endgültig zurück. Rosetta Tomasi ist gerade 22, als sie ihrem Mann aus Sardinien nach Holland folgt. Ein „Gastarbeiterleben“ später kehren sie gemeinsam heim.
Aus der Sicht der eigenen Töchter gefilmt, gewährt „Heimwärts“ Einblick in die Biografien der Elterngeneration sehr unterschiedlicher Migranten, in deren Welt sich die Bedeutung von Heimat und Fremde gründlich verschoben hat. „Heimwärts“ ist ein aktueller und sehr persönlicher Dokumentarfilm über Migration und Rückkehr. Über die Generationen hinweg macht er das Dazwischen der Migrationserfahrung sichtbar.
In Originalsprachen mit deutschen Untertiteln. Karten (regulär: € 7,50 ermäßigt: € 6,50) erhalten Sie an der Kinokasse.
29. April 2012, 13:15 Uhr
Abaton-Kino, Allendeplatz 3, Hamburg"
Quelle: ZEIT-Stiftung
"Im Zuge der Studentenbewegung kamen Michiko und Taichiro Kajimura aus Japan nach Westberlin – und bleiben hängen. Ágnes und Péter Bakacs hatten die seltene Chance, legal aus Ungarn in die BRD zu ziehen. Nach 22 Jahren kehren sie als Rentner endgültig zurück. Rosetta Tomasi ist gerade 22, als sie ihrem Mann aus Sardinien nach Holland folgt. Ein „Gastarbeiterleben“ später kehren sie gemeinsam heim.
Aus der Sicht der eigenen Töchter gefilmt, gewährt „Heimwärts“ Einblick in die Biografien der Elterngeneration sehr unterschiedlicher Migranten, in deren Welt sich die Bedeutung von Heimat und Fremde gründlich verschoben hat. „Heimwärts“ ist ein aktueller und sehr persönlicher Dokumentarfilm über Migration und Rückkehr. Über die Generationen hinweg macht er das Dazwischen der Migrationserfahrung sichtbar.
In Originalsprachen mit deutschen Untertiteln. Karten (regulär: € 7,50 ermäßigt: € 6,50) erhalten Sie an der Kinokasse.
29. April 2012, 13:15 Uhr
Abaton-Kino, Allendeplatz 3, Hamburg"
Quelle: ZEIT-Stiftung
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Samstag, 31. März 2012
Letztens gelesen (17)
Petra Hammesfahr: Das letzte Opfer. Reinbek bei Hamburg: Rowohl Taschenbuch, 2004.
Ein Krimi, mit dem ich zunächst nicht viel anzufangen wusste. Die Handlung spielt irgendwo in der westdeutschen Provinz, beginnt in den 1970ern und 80ern (demnach tummeln sich massenweise Karen, Norberts, Markos und Michaele auf den ersten Seiten), bis man schließlich in der Gegenwart ankommt. Ziemlich lange passiert nichts, stattdessen wird das stinknormale Leben der Protagonisten in einem kleinen Ort in der Nähe von Köln beschrieben. Besonders beklemmend wirkt die Situation einer der Hauptfiguren, der als Kind alle Türen aufzustehen schienen, bis eine Begebenheit, die sie selbst nicht verschuldet hat, ihr alles verbaut. Der extrem blutige Prolog und das Wissen, dass sich hinter der beschriebenen spießbürgerlichen Kulisse Grauenhaftes versteckt, hält trotz der sich sehr ziehenden ersten Kapitel die Spannung. Wie am Ende schließlich alle Fäden zusammen kommen und (fast) nichts so ist wie es schien ist genial.
Ein Krimi, mit dem ich zunächst nicht viel anzufangen wusste. Die Handlung spielt irgendwo in der westdeutschen Provinz, beginnt in den 1970ern und 80ern (demnach tummeln sich massenweise Karen, Norberts, Markos und Michaele auf den ersten Seiten), bis man schließlich in der Gegenwart ankommt. Ziemlich lange passiert nichts, stattdessen wird das stinknormale Leben der Protagonisten in einem kleinen Ort in der Nähe von Köln beschrieben. Besonders beklemmend wirkt die Situation einer der Hauptfiguren, der als Kind alle Türen aufzustehen schienen, bis eine Begebenheit, die sie selbst nicht verschuldet hat, ihr alles verbaut. Der extrem blutige Prolog und das Wissen, dass sich hinter der beschriebenen spießbürgerlichen Kulisse Grauenhaftes versteckt, hält trotz der sich sehr ziehenden ersten Kapitel die Spannung. Wie am Ende schließlich alle Fäden zusammen kommen und (fast) nichts so ist wie es schien ist genial.
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Mittwoch, 21. März 2012
Terror in Frankreich
Vor Montag
Zu Frankreich zu schreiben hatte ich schon seit einer Weile vor. Einen Artikel ueber die unsaegliche Halal-Debatte, die seit einigen Wochen durch die franzoesischen Medien geisterte (wie gewoehnlich, passend zum Vorlauf zu den anstehenden Wahlen), und ueber die man in Deutschland und Oesterreich quasi nichts hoerte, wollte ich schreiben. Und dann kam der Montag dazwischen und ueber Halal-Fleisch sprach ploetzlich keiner mehr.
Montag
Mein Wecker in Wien klingelte und waehrend ich aufstand, erschoss ein Unbekannter in Toulouse zwei kleine Jungen und deren Vater und jagte ein kleines Maedchen ueber den Schulhof, bis er sie toetete. Ich stand auf, fruehstueckte, machte das Lieschen und mich fertig fertig und wir uns auf den Weg zu Kindergarten und Arbeit und erst dort erfuhr ich davon, was an diesem Morgen, der fuer uns wie jeder Morgen ausgesehen hatte, in Toulouse geschehen war.
Schock
In Toulouse, ausgerechnet in Toulouse. Ich kenne die Stadt gut, bin oft dort gewesen, habe viele Freunde und Bekannte, die dort leben. Ein Anschlag auf eine Schule, ausgerechnet auf eine Schule. Wie kann man so kaltbluetig sein, auf kleine Kinder, ihren Vater zu schiessen? Wie grausam muss es sein, einen solchen Anschlag zu ueberleben, seine Freunde sterben zu sehen, sein Kind zu verlieren.
Angst
Und dann war es nicht irgendeine Schule sondern eine juedische Schule. Ich weiss, wie ich mich nach dem Mord an Marwa El-Sherbini gefuehlt habe, als klar wurde, dass sie wegen ihrer Religion getoetet worden war. Zu wissen, dass es dort draussen Leute gibt, die die Gruppe, zu der sie dich zaehlen, so sehr hassen, dass sie bereit sind, dich zu toeten - Ich habe in Frankreich keine juedischen Freunde, aber einige in Deutschland und ich denke an sie und ihre Angst, die meiner so aehneln muss. Der Attentaeter ist weiter auf der Flucht; Toulouse voll von Polizisten mit Waffe in der Hand und abgesperrten Strassen. Wie lange wird das gehen, wann werden sie ihn fassen?
Hoffen
Und dann, nach so und so viel Zeit, in der ich vor dem Computer, mit der Zeitung in der Hand alle Informationen zum Thema zusammengesammelt habe, ist der Gedanke, wer um Himmels Willen so etwas tut, da: "O Gott, bitte mach, dass das kein Muslim war." Einige Tage vor dem Anschlag in Toulouse wurden in Montauban, auch diese Stadt ist mir bekannt, auch dort habe ich Freunde, drei Soldaten nordafrikanischer Herkunft getoetet, ein dritter, der von den Antillen stammt, schwer verletzt. Drei Araber, ein Schwarzer, vier Juden - spricht das fuer einen rechtsextremistischen Hintergrund? Die Fallschaermjaegertruppen, denen die vier attackierten Soldaten angehoerten, waren in Afghanistan eingesetzt worden. Vier in Afghanistan kaempfende Soldaten, vier Juden - oder doch islamistisch motiviert?
Politik
Die Reaktionen der franzoesischen Politik sind wohltuend moderat. Der Schutz juedischer und muslimischer Einrichtungen wird befohlen, Sarkozy trifft sich mit Wuerdentraegern beider Religionen. Keine voreiligen Schuldzuweisungen werden getroffen, der Wahlkampf steht - fuer einen Moment - still.
Dienstag
Naim, den ich aus meiner Studienzeit in Frankreich kenne, regt sich auf: "Ist ja mal wieder typisch. Drei Araber werden getoetet, ein Schwarzer angeschossen - und keiner ruehrt sich. Erst, wenn eine juedische Schule angegriffen wird, ist die Aufregung ploetzlich gross. Wenn es in diesem Land genauso schlimm waere, wenn ein Araber oder ein Schwarzer erschossen wird wie wenn ein Jude ermordet wird, dann haetten sie diesen Anschlag auf die Schule verhindern koennen". Als einer seiner Bekannten anmerkt, dass die unterschiedliche Reaktionen seiner Meinung daher ruehrt, dass einmal Soldaten und dann Schulkinder Ziel der Anschlaege waren, ist Naim zwar immer noch sauer, aber er widerspricht nicht.
Demo
Montagabend findet in Paris ein Trauermarsch statt, an dem Tausende, viele junge, Menschen teilnehmen. Die Union der Juedischen Studenten Frankreichs (UEJF) nimmt teil und der eine oder andere franzoesische Politiker. Ein Transparent mit der Aufschrift "In Frankreich werden Juden, Schwarze und Araber getoetet" erregt Aufmerksamkeit. Neben den blau-weissen UEFJ-Plakaten und so mancher Frankreich- und Israel-Fahne entdeckt Naim Flaggen mit dem Logo der juedisch-extremistischen Jewish Defense League (JDL), die in Israel und den USA als terroristische Vereinigung verboten ist. Er schaeumt vor Wut. "Wie kann es sein, dass Delanoe an einem Schweigemarsch teilnimmt, bei dem eine Terrororganisation mitspaziert?!"
Mittwoch
Israel trauert, die vier juedischen Opfer des Taeters werden in Jerusalem bestattet, das Bild der Mutter, deren siebenjaehrige Tochter am Montag starb, kann ich kaum ansehen. Frankreich trauert, im Sueden der Republik wird einer der getoeteten Soldaten vor den Augen seiner schwangeren Frau, einer jungen blonden Frau, die Schwangerschaft ist nicht zu uebersehen ist, zu Grabe getragen. In Toulouse verschanzt sich der mutmassliche Attentaeter in einer Wohnung, die Polizei schaltet das Gas im Viertel ab und beginnt, die Anwohner zu evakuieren. Schusswechsel, eine Explosion, Verhandlungen, angeblich will er sich stellen. Wer's glaubt.
Zu Frankreich zu schreiben hatte ich schon seit einer Weile vor. Einen Artikel ueber die unsaegliche Halal-Debatte, die seit einigen Wochen durch die franzoesischen Medien geisterte (wie gewoehnlich, passend zum Vorlauf zu den anstehenden Wahlen), und ueber die man in Deutschland und Oesterreich quasi nichts hoerte, wollte ich schreiben. Und dann kam der Montag dazwischen und ueber Halal-Fleisch sprach ploetzlich keiner mehr.
Montag
Mein Wecker in Wien klingelte und waehrend ich aufstand, erschoss ein Unbekannter in Toulouse zwei kleine Jungen und deren Vater und jagte ein kleines Maedchen ueber den Schulhof, bis er sie toetete. Ich stand auf, fruehstueckte, machte das Lieschen und mich fertig fertig und wir uns auf den Weg zu Kindergarten und Arbeit und erst dort erfuhr ich davon, was an diesem Morgen, der fuer uns wie jeder Morgen ausgesehen hatte, in Toulouse geschehen war.
Schock
In Toulouse, ausgerechnet in Toulouse. Ich kenne die Stadt gut, bin oft dort gewesen, habe viele Freunde und Bekannte, die dort leben. Ein Anschlag auf eine Schule, ausgerechnet auf eine Schule. Wie kann man so kaltbluetig sein, auf kleine Kinder, ihren Vater zu schiessen? Wie grausam muss es sein, einen solchen Anschlag zu ueberleben, seine Freunde sterben zu sehen, sein Kind zu verlieren.
Angst
Und dann war es nicht irgendeine Schule sondern eine juedische Schule. Ich weiss, wie ich mich nach dem Mord an Marwa El-Sherbini gefuehlt habe, als klar wurde, dass sie wegen ihrer Religion getoetet worden war. Zu wissen, dass es dort draussen Leute gibt, die die Gruppe, zu der sie dich zaehlen, so sehr hassen, dass sie bereit sind, dich zu toeten - Ich habe in Frankreich keine juedischen Freunde, aber einige in Deutschland und ich denke an sie und ihre Angst, die meiner so aehneln muss. Der Attentaeter ist weiter auf der Flucht; Toulouse voll von Polizisten mit Waffe in der Hand und abgesperrten Strassen. Wie lange wird das gehen, wann werden sie ihn fassen?
Hoffen
Und dann, nach so und so viel Zeit, in der ich vor dem Computer, mit der Zeitung in der Hand alle Informationen zum Thema zusammengesammelt habe, ist der Gedanke, wer um Himmels Willen so etwas tut, da: "O Gott, bitte mach, dass das kein Muslim war." Einige Tage vor dem Anschlag in Toulouse wurden in Montauban, auch diese Stadt ist mir bekannt, auch dort habe ich Freunde, drei Soldaten nordafrikanischer Herkunft getoetet, ein dritter, der von den Antillen stammt, schwer verletzt. Drei Araber, ein Schwarzer, vier Juden - spricht das fuer einen rechtsextremistischen Hintergrund? Die Fallschaermjaegertruppen, denen die vier attackierten Soldaten angehoerten, waren in Afghanistan eingesetzt worden. Vier in Afghanistan kaempfende Soldaten, vier Juden - oder doch islamistisch motiviert?
Politik
Die Reaktionen der franzoesischen Politik sind wohltuend moderat. Der Schutz juedischer und muslimischer Einrichtungen wird befohlen, Sarkozy trifft sich mit Wuerdentraegern beider Religionen. Keine voreiligen Schuldzuweisungen werden getroffen, der Wahlkampf steht - fuer einen Moment - still.
Dienstag
Naim, den ich aus meiner Studienzeit in Frankreich kenne, regt sich auf: "Ist ja mal wieder typisch. Drei Araber werden getoetet, ein Schwarzer angeschossen - und keiner ruehrt sich. Erst, wenn eine juedische Schule angegriffen wird, ist die Aufregung ploetzlich gross. Wenn es in diesem Land genauso schlimm waere, wenn ein Araber oder ein Schwarzer erschossen wird wie wenn ein Jude ermordet wird, dann haetten sie diesen Anschlag auf die Schule verhindern koennen". Als einer seiner Bekannten anmerkt, dass die unterschiedliche Reaktionen seiner Meinung daher ruehrt, dass einmal Soldaten und dann Schulkinder Ziel der Anschlaege waren, ist Naim zwar immer noch sauer, aber er widerspricht nicht.
Demo
Montagabend findet in Paris ein Trauermarsch statt, an dem Tausende, viele junge, Menschen teilnehmen. Die Union der Juedischen Studenten Frankreichs (UEJF) nimmt teil und der eine oder andere franzoesische Politiker. Ein Transparent mit der Aufschrift "In Frankreich werden Juden, Schwarze und Araber getoetet" erregt Aufmerksamkeit. Neben den blau-weissen UEFJ-Plakaten und so mancher Frankreich- und Israel-Fahne entdeckt Naim Flaggen mit dem Logo der juedisch-extremistischen Jewish Defense League (JDL), die in Israel und den USA als terroristische Vereinigung verboten ist. Er schaeumt vor Wut. "Wie kann es sein, dass Delanoe an einem Schweigemarsch teilnimmt, bei dem eine Terrororganisation mitspaziert?!"
Mittwoch
Israel trauert, die vier juedischen Opfer des Taeters werden in Jerusalem bestattet, das Bild der Mutter, deren siebenjaehrige Tochter am Montag starb, kann ich kaum ansehen. Frankreich trauert, im Sueden der Republik wird einer der getoeteten Soldaten vor den Augen seiner schwangeren Frau, einer jungen blonden Frau, die Schwangerschaft ist nicht zu uebersehen ist, zu Grabe getragen. In Toulouse verschanzt sich der mutmassliche Attentaeter in einer Wohnung, die Polizei schaltet das Gas im Viertel ab und beginnt, die Anwohner zu evakuieren. Schusswechsel, eine Explosion, Verhandlungen, angeblich will er sich stellen. Wer's glaubt.
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Sonntag, 4. Dezember 2011
Lieblingsblog (12)
Mein Lieblingsblog ist diesen Monat die Seite Retronaut, die von Chris Wild, der in England lebt, gegründet wurde. Retronaut beherbergt ein Sammelsurium an Bildern aus zweitausend Jahren. Einen thematischen Rahmen gibt es dabei nicht.
Zu sehen sind Fotografien von Kindern in East London Anfang des 20. Jahrhunderts, Familienfotos der letzten russischen Zarenfamilie, Eindrücke davon, wie es in Paris in den 1940ern und 50ern, in Afghanistan (na ja, Kabul) in den 1950ern und 60ern, im damals noch sowjetischen Litauen der 1960er und 70er mal ausgesehen hat. Außerdem: ganz üble Familienfotos aus den 1980ern, Bilder aus amerikanischen Shopping Malls in den 1990ern, auf denen massenweise schlanke!!, in der Öffentlichkeit rauchende!!! Amerikaner zu sehen sind - und schließlich fehlen auch die 2000 und 2010er Jahre nicht.
Die Bilder sind beeindruckend, unglaublich, witzig, schön, schockierend, einige bringen einen zum Nachdenken. Eine tolle Seite - nicht nur für Freunde von Geschichte(n) und Fotografie!
Zu sehen sind Fotografien von Kindern in East London Anfang des 20. Jahrhunderts, Familienfotos der letzten russischen Zarenfamilie, Eindrücke davon, wie es in Paris in den 1940ern und 50ern, in Afghanistan (na ja, Kabul) in den 1950ern und 60ern, im damals noch sowjetischen Litauen der 1960er und 70er mal ausgesehen hat. Außerdem: ganz üble Familienfotos aus den 1980ern, Bilder aus amerikanischen Shopping Malls in den 1990ern, auf denen massenweise schlanke!!, in der Öffentlichkeit rauchende!!! Amerikaner zu sehen sind - und schließlich fehlen auch die 2000 und 2010er Jahre nicht.
Die Bilder sind beeindruckend, unglaublich, witzig, schön, schockierend, einige bringen einen zum Nachdenken. Eine tolle Seite - nicht nur für Freunde von Geschichte(n) und Fotografie!
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Dienstag, 15. November 2011
La Brass Banda
Passen "bayrische Blasmusik" und "cool" zusammen? Bevor ich - bei meiner Mutter - zum ersten Mal La Brass Banda gehört habe, hätte ich das fraglos im Brustton der Überzeugung verneint. Die Band aus Oberbayern macht irgendwas zwischen Polka, Funk, Ska, Techno, Gypsy, Balkan Beat, teils hört man sogar lateinamerikanische Rythmen heraus. Als Grundlage dienen dabei ihre Blasinstrumente - und wenn La Brass Banda singen, dann auf Bayrisch. Hört sich schräg an? Ist es auch. Und extrem cool.
Hier zum Einstieg ein Instrumental:
Und dann die volle Dosis, inklusive Gesang:
Hier zum Einstieg ein Instrumental:
Und dann die volle Dosis, inklusive Gesang:
Mittwoch, 5. Oktober 2011
Von Ilyas
...der fuer sein Land kaempfen wollte
Als ich Ilyas in Frankreich kennen lernte, war er 18, einige Jahre jünger als ich. Wir studierten an der selben Universität in Frankreich und er war einer der wenigen anderen Muslime, so haben wir uns kennen gelernt. Er wurde einer meiner besten Freunde dort. Als ich fragte, woher seine Familie stammte, sagte er: "Ich bin Syrer", dabei hatte er den Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht. Ein Jahr war er, als seine Eltern mit ihm nach Europa gekommen waren. Dass er in Damaskus geboren war, erzählte er mir voller Stolz. Seine Eltern waren Ärzte und lebten mit ihren drei Söhnen und der Tochter in einer kleinen Stadt im Norden Frankreichs. Ilyas besuchte sie an den Wochenenden. Ilyas war intelligent, gebildet, höflich, gutaussehend - wie stolz sie auf ihren ältesten Sohn sein mussten.
Hochschulengagement vom Regime nicht gern gesehen
Als ich an der Uni eine Hochschulgruppe gründen wollte, war Ilyas von der Idee begeistert und sagte mir seine Hilfe zu. Gemeinsam mit einer Reihe anderer Kommilitionen arbeiteten wir an der Idee und wollten unsere Gruppe gerade bei der Universitätsverwaltung anmelden - was nötig war, um als offizielle Studentengruppe der Uni anerkannt zu werden -, als Ilyas mir plötzlich erklärte, dass er zwar gerne weiter mit uns arbeiten würde, sein Name aber in keinem Fall auf der Webseite der Gruppe oder der Universität vermerkt sein dürfte. Sein Vater hatte ihn daran erinnert, dass er aus Syrien stammte und dass die Familie in enorme Schwierigkeiten kommen könnte, falls Ilyas Name in Verbindung mit einer Hochschulgruppe im Ausland im Internet zu finden sei. So kam es, dass nicht Ilyas sondern zwei weitere Freunde von mir mit mir gemeinsam als offizielle Gründer unserer Gruppe bei der Hochschulverwaltung registriert wurden.
Sein Heimatland im Kriegsfall verteidigen
Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber irgendwann meinte Ilyas, dass, wenn jemals ein Krieg gegen Syrien geführt werden würde, er natürlich in sein Heimatland, wie er es nannte, fahren würde und sich an seiner Verteidigung beteiligen würde. Da saßen wir in der Mensa einer französischen Universität, neben uns seine besten Freunde Eloise, Anna und Mathieu, die gerade mit uns in der Vorlesung gewesen waren, und unterhielten uns auf Französisch über die Möglichkeit eines Krieges im Nahen Osten und dass er, Ilyas, der Franzose, in diesem Falle die Heimat seiner Eltern mit der Waffe in der Hand verteidigen wollte. Surreal? Ja, ein bisschen schon.
Krise im Nahen Osten
Ein paar Monate später war ich im Nahen Osten, nicht in Syrien, aber nicht weit von dort. Das Thema überall war der neuste bewaffnete Zusammenstoß an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. "Und", fragte meine Freundin Lana ihren Bekannten Mahmoud, mit dem wir auf der größten Einkaufsstraße der Stadt unterwegs waren, "was glaubst du, wenn das Ganze so weiter geht, meinst du, die Syrer greifen auch ein?" Mahmoud lachte und sagte schnell etwas auf Arabisch. Lana nickte und sah ihn an. Ich bat um Übersetzung und als sie mir erklärte, was er gesagt hatte, glaubte ich für einen Moment, nicht atmen zu können: "Wir fragen uns alle, warum die Syrer nicht schon längst eingegriffen haben". Ich dachte an Ilyas, wie jung er war, und dass er, falls es zu einem Krieg zwischen Israel und Syrien kommen sollte, vielleicht wirklich glauben würde, das Land, dass er tatsächlich doch nur aus den Sommerferien kannte, als Soldat verteidigen zu müssen. Mir war schlecht und auf Einkaufen hatte ich keine Lust mehr.
Volksaufstand in Syrien
Dass alles ist Jahre her. Ilyas ist in der Zwischenzeit älter als ich es damals war. Er hat sein Studium beendet, sich für einen Ausbildungslehrgang zum Beamten beworben, in den er aufgenommen wurden, eine Prüfung nach der anderen bestanden und wird in einigen Jahren wohl in irgend einem Ministerium für Frankreich, sein Land, arbeiten. Und dann war plötzlich tatsächlich Krieg in Syrien. Das syrische Volk lehnte sich endlich, endlich gegen das Regime auf, dass es seit Jahren unterdrückte hatte und ich dachte, beschäftigt mit Studium, Arbeit und Familie, nicht gleich an Ilyas. Erst als sich die Berichte aus Syrien sich häuften, fiel er mir ein und was er damals gesagt hatte.
Cousin verhaftet, Nachbar ermordet
Aber Ilyas fuhr nicht zum Kämpfen nach Hause. Er saß zu Hause vor dem Fernseher und Computer, sah sich Nachrichtensendung über Nachrichtensendung, Youtube-Video über Youtube-Video, Zeitungsartikel über Zeitungsartikel durch. Ein Cousin wurde verhaftet, der nächste, ein Freund aus Kindestagen, und er konnte nur hoffen, dass sie Folter und Erniedrigungen entgehen würden und bald freigelassen werden würden. Wenn ich in den Nachrichten von der Ermordung noch eines Regimekritikers hörte, las ich nicht viel später, dass Ilyas die Familie seit Jahren kannte, es Nachbarn waren, er mit den Söhnen als Kind gespielt hatte.
Vor dem Bildschirm...
Ilyas ging auf Demos in Frankreich, eröffnete einen Twitter-Account und postete regelmäßige Updates zu den Entwicklungen in Syrien und der Region. Welche Freude, als Ben Ali, der Diktator, Tunesien verlassen musste! Welche Erleichterung, als Mubarak, auch der ein Diktator, abdanken musste! Ungläubig verfolgte er das Vorstoßen von Rebellen und westlichen Allierten in Lybien - aber was war mit Syrien? Seit Monaten wurden die Proteste des Volks nun fortgeführt, seit Monaten antwortete das Regime auf jeden Widerspruch mit brutalster Gewalt - und Ilyas konnte nicht viel mehr tun, als die Geschehnisse zu Hause vor dem Bildschirm mitzuverfolgen.
...bis nachts um drei
Ein Video von der Hinrichtung eines syrischen Journalisten durch regimenahe Sniper, auf das er auf Youtube gestoßen war, veröffentlichte er, noch eins, auf dem nächsten war es ein kleines Mädchen, dass durch einen Bauchschuss ums Leben gekommen war, dann eine alte Frau, deren Blut die Straße tränkte, noch ein Video und noch eins und noch eins, und ich sah ihn nicht, aber ich wusste, wie er sich quälte, konnte mir vorstellen, wie er glaubte, all diese Filme zu sehen, um, wenn er doch letztendlich nicht viel ausrichten konnte, wenn er nicht in Syrien, nicht bei seinen Freunden, seinen Nachbarn, seiner Familie war, doch wenigstens so am Geschehen zu sein, mitzufühlen, bei ihnen zu sein. Ich wollte ihm sagen, dass er das lassen sollte, dass er sich informieren und Nachrichten sehen konnte, aber dass bis spät in die Nacht Hinrichtung über Hinrichtung auf dem Bildschirm zu verfolgen, keinem der Menschen dort helfen würde. Ich wollte es ihm sagen. Und habe nichts gesagt.
Als ich Ilyas in Frankreich kennen lernte, war er 18, einige Jahre jünger als ich. Wir studierten an der selben Universität in Frankreich und er war einer der wenigen anderen Muslime, so haben wir uns kennen gelernt. Er wurde einer meiner besten Freunde dort. Als ich fragte, woher seine Familie stammte, sagte er: "Ich bin Syrer", dabei hatte er den Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht. Ein Jahr war er, als seine Eltern mit ihm nach Europa gekommen waren. Dass er in Damaskus geboren war, erzählte er mir voller Stolz. Seine Eltern waren Ärzte und lebten mit ihren drei Söhnen und der Tochter in einer kleinen Stadt im Norden Frankreichs. Ilyas besuchte sie an den Wochenenden. Ilyas war intelligent, gebildet, höflich, gutaussehend - wie stolz sie auf ihren ältesten Sohn sein mussten.
Hochschulengagement vom Regime nicht gern gesehen
Als ich an der Uni eine Hochschulgruppe gründen wollte, war Ilyas von der Idee begeistert und sagte mir seine Hilfe zu. Gemeinsam mit einer Reihe anderer Kommilitionen arbeiteten wir an der Idee und wollten unsere Gruppe gerade bei der Universitätsverwaltung anmelden - was nötig war, um als offizielle Studentengruppe der Uni anerkannt zu werden -, als Ilyas mir plötzlich erklärte, dass er zwar gerne weiter mit uns arbeiten würde, sein Name aber in keinem Fall auf der Webseite der Gruppe oder der Universität vermerkt sein dürfte. Sein Vater hatte ihn daran erinnert, dass er aus Syrien stammte und dass die Familie in enorme Schwierigkeiten kommen könnte, falls Ilyas Name in Verbindung mit einer Hochschulgruppe im Ausland im Internet zu finden sei. So kam es, dass nicht Ilyas sondern zwei weitere Freunde von mir mit mir gemeinsam als offizielle Gründer unserer Gruppe bei der Hochschulverwaltung registriert wurden.
Sein Heimatland im Kriegsfall verteidigen
Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber irgendwann meinte Ilyas, dass, wenn jemals ein Krieg gegen Syrien geführt werden würde, er natürlich in sein Heimatland, wie er es nannte, fahren würde und sich an seiner Verteidigung beteiligen würde. Da saßen wir in der Mensa einer französischen Universität, neben uns seine besten Freunde Eloise, Anna und Mathieu, die gerade mit uns in der Vorlesung gewesen waren, und unterhielten uns auf Französisch über die Möglichkeit eines Krieges im Nahen Osten und dass er, Ilyas, der Franzose, in diesem Falle die Heimat seiner Eltern mit der Waffe in der Hand verteidigen wollte. Surreal? Ja, ein bisschen schon.
Krise im Nahen Osten
Ein paar Monate später war ich im Nahen Osten, nicht in Syrien, aber nicht weit von dort. Das Thema überall war der neuste bewaffnete Zusammenstoß an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. "Und", fragte meine Freundin Lana ihren Bekannten Mahmoud, mit dem wir auf der größten Einkaufsstraße der Stadt unterwegs waren, "was glaubst du, wenn das Ganze so weiter geht, meinst du, die Syrer greifen auch ein?" Mahmoud lachte und sagte schnell etwas auf Arabisch. Lana nickte und sah ihn an. Ich bat um Übersetzung und als sie mir erklärte, was er gesagt hatte, glaubte ich für einen Moment, nicht atmen zu können: "Wir fragen uns alle, warum die Syrer nicht schon längst eingegriffen haben". Ich dachte an Ilyas, wie jung er war, und dass er, falls es zu einem Krieg zwischen Israel und Syrien kommen sollte, vielleicht wirklich glauben würde, das Land, dass er tatsächlich doch nur aus den Sommerferien kannte, als Soldat verteidigen zu müssen. Mir war schlecht und auf Einkaufen hatte ich keine Lust mehr.
Volksaufstand in Syrien
Dass alles ist Jahre her. Ilyas ist in der Zwischenzeit älter als ich es damals war. Er hat sein Studium beendet, sich für einen Ausbildungslehrgang zum Beamten beworben, in den er aufgenommen wurden, eine Prüfung nach der anderen bestanden und wird in einigen Jahren wohl in irgend einem Ministerium für Frankreich, sein Land, arbeiten. Und dann war plötzlich tatsächlich Krieg in Syrien. Das syrische Volk lehnte sich endlich, endlich gegen das Regime auf, dass es seit Jahren unterdrückte hatte und ich dachte, beschäftigt mit Studium, Arbeit und Familie, nicht gleich an Ilyas. Erst als sich die Berichte aus Syrien sich häuften, fiel er mir ein und was er damals gesagt hatte.
Cousin verhaftet, Nachbar ermordet
Aber Ilyas fuhr nicht zum Kämpfen nach Hause. Er saß zu Hause vor dem Fernseher und Computer, sah sich Nachrichtensendung über Nachrichtensendung, Youtube-Video über Youtube-Video, Zeitungsartikel über Zeitungsartikel durch. Ein Cousin wurde verhaftet, der nächste, ein Freund aus Kindestagen, und er konnte nur hoffen, dass sie Folter und Erniedrigungen entgehen würden und bald freigelassen werden würden. Wenn ich in den Nachrichten von der Ermordung noch eines Regimekritikers hörte, las ich nicht viel später, dass Ilyas die Familie seit Jahren kannte, es Nachbarn waren, er mit den Söhnen als Kind gespielt hatte.
Vor dem Bildschirm...
Ilyas ging auf Demos in Frankreich, eröffnete einen Twitter-Account und postete regelmäßige Updates zu den Entwicklungen in Syrien und der Region. Welche Freude, als Ben Ali, der Diktator, Tunesien verlassen musste! Welche Erleichterung, als Mubarak, auch der ein Diktator, abdanken musste! Ungläubig verfolgte er das Vorstoßen von Rebellen und westlichen Allierten in Lybien - aber was war mit Syrien? Seit Monaten wurden die Proteste des Volks nun fortgeführt, seit Monaten antwortete das Regime auf jeden Widerspruch mit brutalster Gewalt - und Ilyas konnte nicht viel mehr tun, als die Geschehnisse zu Hause vor dem Bildschirm mitzuverfolgen.
...bis nachts um drei
Ein Video von der Hinrichtung eines syrischen Journalisten durch regimenahe Sniper, auf das er auf Youtube gestoßen war, veröffentlichte er, noch eins, auf dem nächsten war es ein kleines Mädchen, dass durch einen Bauchschuss ums Leben gekommen war, dann eine alte Frau, deren Blut die Straße tränkte, noch ein Video und noch eins und noch eins, und ich sah ihn nicht, aber ich wusste, wie er sich quälte, konnte mir vorstellen, wie er glaubte, all diese Filme zu sehen, um, wenn er doch letztendlich nicht viel ausrichten konnte, wenn er nicht in Syrien, nicht bei seinen Freunden, seinen Nachbarn, seiner Familie war, doch wenigstens so am Geschehen zu sein, mitzufühlen, bei ihnen zu sein. Ich wollte ihm sagen, dass er das lassen sollte, dass er sich informieren und Nachrichten sehen konnte, aber dass bis spät in die Nacht Hinrichtung über Hinrichtung auf dem Bildschirm zu verfolgen, keinem der Menschen dort helfen würde. Ich wollte es ihm sagen. Und habe nichts gesagt.
Sonntag, 25. September 2011
Mennonistan
Kleine blonde Mädchen in geblümten Blusen, Pferdewagen statt Pkws, ein etwas altertümlich klingendes Deutsch und ein striktes Verbot von Musik, Tanz und Kartenspiel: Ein Besuch bei den Mennoniten in Belizé
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Freitag, 23. September 2011
Arbeit muss bezahlt werden
Als der Alimustafa hörte, dass der damalige Freund meiner Schwester eine dreijährige Ausbildung zum Maler machte, brauchte er ein ganzes Weilchen, bis er sich von seinem Lachanfall erholt hatte. "Wie? Der lernt drei Jahre lang, wie man 'ne Wand anmalt?" Ich versuchte ihm zu erklären, dass der junge Mann neben Englisch, Deutsch und allen anderen regulären Schulfächern eben vor allem auch Mathe und Chemie lernte - wo man sich doch zumindest vorstellen konnte, dass Hintergrundwissen in diesen Bereichen einem angehenden Maler von Nutzen sein konnte. Alimustafa war, ganz Angelsachse, nicht überzeugt.
Zwei Wochen und er kann's
Hier in London las ich letztens in einem Zeitungsartikel die "Erfolgsstory" irgend eines ehemals arbeitslosen Eastlondoners, der jahrelang nichts gemacht hat und nun endlich, endlich wieder einen anständigen Job, sowie das Geld und das Ansehen das dieser mit sich bringt, hatte. Er arbeitete auf dem Bau, was er nicht gelernt hatte, aber nach einem zweiwöchigen Einführungskurs "konnte" der Mann dann Zement gießen und Kacheln legen. Kein Wunder, dass sich selbst mir als Totallaie angesichts so mancher Elektro- oder Sanitärkonstruktion hier die Haare sträuben.
Dual - und sogar bezahlt
Wenn ich in meinen Deutschkursen hier auf das Duale System, das ich zusammen mit dem deutschen Ausbildungssystem im Allgemeinen anhand eines großen Schaubildes mit einer Menge Balken, Kreisen und Pfeilen erläuterte, und die Tatsache, dass Auszubildende bei uns bezahlt werden, verwies, blickte ich immer wieder in die gleichen nickenden Gesichter - mit einem Ausdruck irgendwo zwischen ungläubig, anerkennend, tief beeindruckt und das-brauchen-wir-auch.
Ausbildungsgehalt: 50 Pfund pro Woche
Hier in Großbritannien bekommt man als Auszubildender mitunter nur 50 Pfund pro Woche. Das ist selbst außerhalb der überteuerten Riesenstadt London gerade mal genug, um die Kosten für Lebensmittel zu begleichen. Natürlich gibt es auch in Deutschland Ausbildungsberufe, in denen man im ersten Jahr lächerlich wenig verdient - als Friseurlehrling zum Beispiel. Aber zumindest im zweiten und dritten Jahr ist man finanziell besser dabei - und selbst ganz am Anfang verfügt man doch über eine solide Grundlage.
Nach dem Studium wieder nach Hause zu Mama?
Wieso man aber als angehender Arzt im so genannten Praktischen Jahr (PJ), als angehender Erzieher oder als Psychotherapeutin in der Ausbildung kaum bis gar kein Gehalt gezahlt bekommt, ist mir ein Rätsel. Als Erzieher mag das noch halbwegs machbar sein, nach dem Realschulabschluss oder Abitur ist man ja noch relativ jung, dann bleibt man halt noch ein bisschen länger zu Hause wohnen. Nicht ideal, aber sicher machbar. Aber wie soll das als PJ-ler zu machen sein? Als Psychologe? Nach dem Studium plötzlich wieder gar nichts verdienen? Wollen wir, dass nur die, die es sich leisten können, das aus eigener (oder Papas - oder Mamas) Tasche zu finanzieren oder das finanzielle Risiko eines horrenden Kredits auf sich zu nehmen, Mediziner und Psychotherapeuten werden?
Arbeit muss bezahlt werden
Wer über Jahre in verantwortungsvoller Position Vollzeit arbeitet (selbst wenn er sich noch in der Ausbildung befindet), der muss dafür anständig bezahlt werden. Zumindest muss er mit dem Geld seine Lebenskosten begleichen können. 150 Euro im Monat, die manche Psychotherapeuten in Ausbildung bekommen, sind nicht genug.
Zwei Wochen und er kann's
Hier in London las ich letztens in einem Zeitungsartikel die "Erfolgsstory" irgend eines ehemals arbeitslosen Eastlondoners, der jahrelang nichts gemacht hat und nun endlich, endlich wieder einen anständigen Job, sowie das Geld und das Ansehen das dieser mit sich bringt, hatte. Er arbeitete auf dem Bau, was er nicht gelernt hatte, aber nach einem zweiwöchigen Einführungskurs "konnte" der Mann dann Zement gießen und Kacheln legen. Kein Wunder, dass sich selbst mir als Totallaie angesichts so mancher Elektro- oder Sanitärkonstruktion hier die Haare sträuben.
Dual - und sogar bezahlt
Wenn ich in meinen Deutschkursen hier auf das Duale System, das ich zusammen mit dem deutschen Ausbildungssystem im Allgemeinen anhand eines großen Schaubildes mit einer Menge Balken, Kreisen und Pfeilen erläuterte, und die Tatsache, dass Auszubildende bei uns bezahlt werden, verwies, blickte ich immer wieder in die gleichen nickenden Gesichter - mit einem Ausdruck irgendwo zwischen ungläubig, anerkennend, tief beeindruckt und das-brauchen-wir-auch.
Ausbildungsgehalt: 50 Pfund pro Woche
Hier in Großbritannien bekommt man als Auszubildender mitunter nur 50 Pfund pro Woche. Das ist selbst außerhalb der überteuerten Riesenstadt London gerade mal genug, um die Kosten für Lebensmittel zu begleichen. Natürlich gibt es auch in Deutschland Ausbildungsberufe, in denen man im ersten Jahr lächerlich wenig verdient - als Friseurlehrling zum Beispiel. Aber zumindest im zweiten und dritten Jahr ist man finanziell besser dabei - und selbst ganz am Anfang verfügt man doch über eine solide Grundlage.
Nach dem Studium wieder nach Hause zu Mama?
Wieso man aber als angehender Arzt im so genannten Praktischen Jahr (PJ), als angehender Erzieher oder als Psychotherapeutin in der Ausbildung kaum bis gar kein Gehalt gezahlt bekommt, ist mir ein Rätsel. Als Erzieher mag das noch halbwegs machbar sein, nach dem Realschulabschluss oder Abitur ist man ja noch relativ jung, dann bleibt man halt noch ein bisschen länger zu Hause wohnen. Nicht ideal, aber sicher machbar. Aber wie soll das als PJ-ler zu machen sein? Als Psychologe? Nach dem Studium plötzlich wieder gar nichts verdienen? Wollen wir, dass nur die, die es sich leisten können, das aus eigener (oder Papas - oder Mamas) Tasche zu finanzieren oder das finanzielle Risiko eines horrenden Kredits auf sich zu nehmen, Mediziner und Psychotherapeuten werden?
Arbeit muss bezahlt werden
Wer über Jahre in verantwortungsvoller Position Vollzeit arbeitet (selbst wenn er sich noch in der Ausbildung befindet), der muss dafür anständig bezahlt werden. Zumindest muss er mit dem Geld seine Lebenskosten begleichen können. 150 Euro im Monat, die manche Psychotherapeuten in Ausbildung bekommen, sind nicht genug.
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Donnerstag, 22. September 2011
In Deutschlands Kirchen
Der Papst kommt nach Deutschland, zum ersten Mal seit er nicht mehr Ratzinger ist.
SPIEGEL Online nahm das zum Anlass, sich mal umzuschauen in katholischen Gemeinden deutschlandweit. Der Titel des Artikels "Läuft was falsch in Gottes Häusern?" ist natürlich tendenziös, darüber hinaus aber hört er sich großartiger an, als die Reportage letztendlich ist: da wird nämlich vor allem beschrieben, ganz einfach, ganz banal, so einfach, so banal, dass man sich teils fragt: ja und? So kritisch wie der Titel klingt ist der Artikel längst nicht.
Also schauen wir mal, wie sieht es denn bei den Kollegen aus?
SPIEGEL Online nahm das zum Anlass, sich mal umzuschauen in katholischen Gemeinden deutschlandweit. Der Titel des Artikels "Läuft was falsch in Gottes Häusern?" ist natürlich tendenziös, darüber hinaus aber hört er sich großartiger an, als die Reportage letztendlich ist: da wird nämlich vor allem beschrieben, ganz einfach, ganz banal, so einfach, so banal, dass man sich teils fragt: ja und? So kritisch wie der Titel klingt ist der Artikel längst nicht.
Also schauen wir mal, wie sieht es denn bei den Kollegen aus?
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