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Montag, 23. Februar 2015

Wenn Muslime Christen in Pakistan schützen


"Habt Acht! Wer grausam und harsch gegenüber einer nicht-muslimischen Minderheit ist, ihre Rechte beschneidet, ihnen zu viel aufbürdet oder von ihnen stiehlt - ich [Muhammad] werde mich über diese Person [bei Gott] am Tage des Gerichts beschweren." [Hadith nach Abu Dawud]

Wir hören meistens nur die negativen Beispiele. Von Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt. Aber es gibt, immer, auch die andere Seite. Ganz unspektakulär das Zusammenleben im Alltag oder Aktionen, die aus dem Gleichgleich des Jedentags herausstechen. Christen in Pakistan sind vor allem eins - Pakistanis. Ihre Religion mögen sie nicht mit dem Großteil der Pakistanis, die Muslime sind, teilen, aber kulturell sind sie nichts anderes. Pakistanis. Umso schöner eine solche Geste, die (auch wenn von 2013, also nicht mehr ganz aktuell) genau das unterstreicht: Unsere Gemeinsamkeiten sind so viel größer als das, was uns trennt. Auch wenn ihr anders seid, stehen wir an eurer Seite und verteidigen auch eure Rechte. Davon bitte mehr, nicht nur in Pakistan! Hier geht's zum Link.

Sonntag, 15. Dezember 2013

"I don't cling to earthly life"


I am not sure if I would be a Muslim today if it wasn't for Hans Küng's publications on the history of Christianity. The controversial theologian who was stripped of his licence to teach Roman Catholic theology by the Vatican in 1979 is in his mid-80s now. In an interview with German weekly DER SPIEGEL, he discusses life, death, the state of the Catholic church, vanity and the price he had to pay for standing by his beliefs.
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Donnerstag, 19. September 2013

Die Wahl und der Osten

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Wie sehen die (größten) Parteien in Deutschland den Osten des Landes? Was haben sie für diesen Teil Deutschlands im Programm? Und was passiert, wenn man einfach mal bei der CDU, der SPD oder den Grünen anruft und um Informationen zur bevorstehenden Wahl bittet? Clemens (25) hat es, angestachelt von der ZEIT, ausprobiert.

Dienstag, 17. September 2013

Muslime, Nicht-Muslime, Täter || Muslims, Non-Muslims, Perpetrators

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Du weißt, es stimmt was mit der Medienberichterstattung, dem öffentlichen Diskurs im Allgemeinen, der Art und Weise, wie wir über Terrorismus sprechen, nicht, wenn die ersten Berichte von einer Schießerei auf einer Militärbasis in den USA aufkommen und deine (muslimischen) Freunde überlegen, ob uns erzählt werden wird, dass der Täter muslimischer Terrorist oder nicht-muslimischer geistig Verwirrter war...

You know something's wrong with the media coverage, the public discourse in general, the way we speak about terrorism when the first news about a shooting on a military base in the US appear, and your (Muslim) friends are wondering whether we will be told the perpetrator was a Muslim terrorist or non-Muslim and mentally unstable...

Freitag, 30. August 2013

Ein Abend mit Freunden

Mounir aus [Land in Südasien] ist zu Besuch. Er hat back home ein Business und überlegt, hier in Deutschland Handelspartner zu finden, eine Repräsentanz in Europa aufzubauen. Hier gewesen ist er noch nie, aber er hat gute Freunde und Verwandte, die enge Beziehungen zu Deutschland haben, selbst Jahre lang hier gelebt haben, die Sprache sprechen. 

Ein paar Sätze Deutsch

Vor Jahren hat Mounir sogar mal einen oder zwei Deutschkurse in [Land in Südasien] absolviert - und Deutsch ist in diesem Teil der Welt wirklich keine Fremdsprache, die es populär wäre, zu lernen. Ein paar Sätze und Phrasen sind hängen geblieben und die bringt Mounir mit einem Lachen immer mal wieder in die Konversation ein. Er ist wie so viele Südasiaten, die ich kenne - redet gerne und viel, lacht laut und ist eigentlich immer zu spät. 

Einladung zum Essen

Nachdem er einen Nachmittag bei uns eingeladen war, folgt bald die Rückeinladung. Wir sollen doch kommen - und die Freunde, die er an jenem Nachmittag bei uns kennen gelernt hat, auch mitbringen. So machen das Lieschen, meine Freundin Victoria, ihr Mann Soheil und die kleine Amina uns auf den Weg in den Vorort von [der Stadt, in der ich in Deutschland wohne].

Kuchen, Saft, Datteln und Brezeln

Mounir begrüßt uns herzlich, sein Cousin Ahmad, den sie Mo nennen - das Essen ist natürlich längst noch nicht fertig, aber wir werden mit Kuchen, Saft, Datteln und Brezeln versorgt. Als das Essen fast fertig ist, strömt ein Duft durch die Wohnung, der mich daran erinnert, wie sehr ich südasiatisches Essen vermisst habe, in der letzten Zeit in Deutschland. So ist das. Hier vermisse ich Chicken Karahi, Palak Paneer und Mango Lassi - und zurück in England sehne ich mich nach 'nem vernünftigem Döner, gescheitem Brot - und Cornichons. 

Chicken Karahi mit türkischem Fladenbrot

Das Essen ist vorzüglich, Chicken Karahi und ein vegetarisches Gericht mit Kartoffeln hat Mounir gezaubert - mangels südasiatischem Brot essen wir es mit türkischem Fladenbrot. Ich hatte viel erwartet, aber nicht, dass Mounir so verdammt gut kochen kann. Nach dem Essen gibt es meethai, noch mehr Marmorkuchen, Datteln und schließlich schneidet Mounir noch eine Wassermelone auf. Und Tee natürlich, English breakfast tea - ganz südasiatisch mit viel Zucker und Milch.

Deutschland, Südasien, Golf ... Deutschland

Wir sind eine bunte Runde. Mounirs Cousin Mo hat seine Schulzeit in Deutschland verbracht, in [Südasien] studiert und dort auch einige Jahre gearbeitet, bis er in die Arabischen Emirate gegangen ist, wo er jahrelang im Finanzsektor gearbeitet hat. Seit einiger Zeit ist er wieder in Deutschland - auch nach über zehn Jahren im Ausland ist Deutschland Heimat geblieben. Meine Freundin Victoria ist Deutsche, vor Jahren zum Islam übergetreten. 

Deutschland, Syrien, Ägypten, Belgien, Irland ... Deutschland

Ihr Mann Soheil stammt aus Lybien, ist in Deutschland geboren und hier aufgewachsen. Auch die beiden haben die letzten fünf Jahre im Ausland verbracht - zum Arabisch Lernen in Syrien und Ägypten, zum Studium in Belgien und Irland - und sind erst seit Kurzem wieder in Deutschland. Mo ist auf Jobsuche, er will wieder bei einer Bank arbeiten, Victoria ist Lehrerin, Soheil promoviert. Nur Mounir hat den größten Teil seines Lebens in Südasien verbracht.

Politik, Bildung, Gesellschaft, Kultur

Über Essen, Nachtisch und Tee diskutieren wir. Politische Lage in Syrien, Ägypten, Tunesien, Südasien; Bildung, Kultur und Werteerziehung in Deutschland, der arabischen Welt und Osteuropa; Dankbarkeit; humanitäre Hilfe in Südostasien; Mechanismen der Medienberichterstattung; über Christen in Südasien und Muslime in Europa; wie es ist, dazuzugehören und doch außen vorzustehen; wer die Verantwortung (und Möglichkeit) hat, für Minderheiten einzutreten und einen positiven Beitrag für ein friedliches Miteinander zu leisten - der Staat, die Zivilgesellschaft oder die Minderheiten selbst? Mos Bericht über eine Begegnung mit der Grenzpolizei am Flughhafen von [einer deutschen Stadt] ("Sind Sie Muslim? Beten Sie? Können Sie ein Flugzeug steuern?") ruft Kopfschütteln und lautes Gelächter aus.

"Noch ein Wort und - "

Wir warten bis alle fertig sind mit wudu, dann beten wir zusammen im Wohnzimmer. Vorher räumt Victoria noch die Spülmaschine ein und ich helfe ihr ein bisschen - als unsere Gastgeber das mitbekommen, folgt ein höflich-insistierendes "Aber nein das muss doch nicht sein ihr seid doch unsere Gäste bitte lasst das". Einer der Männer, ich glaube Mounir, scherzt: "Ach, die machen doch nur ihren Job" - worauf er die Antwort bekommt: "Noch ein Wort, mein Freundchen, und wir räumen alles wieder aus!" Gelächter. Wir beten. Und machen uns zweieinhalb Stunden später auf den Weg als es eigentlich geplant war. Ein Stück Fahrt durch die Nacht, und bald sind wir wieder zu Hause.

Donnerstag, 29. August 2013

Rassismus und Sexismus ab_bloggen!

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Diskussionsveranstaltung 
der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin
  Montag, 2. September 2013, 16.00 - 20.00 Uhr

"2013 ging ein Aufschrei durch Deutschland, der eine bundesweite Sexismus-Debatte lostrat. Mit der Twitter-Aktion machten Hunderte von Frauen sichtbar, wie alltäglich Sexismus und sexuelle Übergriffe sind. Etwa zeitgleich dominierte die Frage den öffentlichen Diskurs, wie mit rassistischen Begriffen in Kinderbüchern umzugehen sei. 

Beide Debatten sind nicht neu, wurden aber selten derart in den Massenmedien und den Weblogs - der sogenannten Blogosphäre - verhandelt. Auffallend ist der unterschiedliche Verlauf der Berichterstattung: Während die Blogosphäre etwa den Änderungsvorschlägen für Kinderbücher überwiegend zustimmte, sprachen die öffentlichen Medien von Zensur bis hin zu einem Angriff auf die literarische Freiheit. Auch die Sexismus-Debatte sorgte für geteilte Meinungen, vor allem in der Blogosphäre selbst. 

Doch wie können Rassismus und Sexismus durch Medien sichtbar gemacht werden? Wie und durch wen geschieht dies? Welches Potenzial bergen die Massenmedien und wie unterscheidet sich davon die Blogosphäre? Wer kann durch welche Medien wie erreicht werden? Verlaufen die Debatten parallel oder konzentrieren sie sich auf einen Kanal? Diese Fragen möchten wir gemeinsam mit Ihnen diskutieren. 

Wir laden Sie herzlich ein: Montag, 2. September 2013 / 16.00 - 20.00 Uhr, Friedrich-Ebert-Stiftung / Haus 1, Hiroshimastr. 17 / 10785 Berlin. 

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung per Mail unter
forumpug@fes.de oder per Fax 030/26935-9241. Weitere Informationen: http://fes.de/gender/common/img/FES_Abbloggen_WEBVERSION.pdf Für Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung."

Sonntag, 14. Juli 2013

Ramadan global

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 - 6. Ramadan - 
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Bilder, die zeigen, wie Muslime auf der ganzen Welt Ramadan begehen, beten, fasten und feiern findet man jedes Jahr wieder in "westlichen" Zeitungen. Und jedes Mal bin ich wieder fasziniert. Wie oft wird doch davon ausgegangen, dass Muslime weltweit doch irgendwie alle gleich seien - schließlich teilen sie die Religion.

Virtuelle Reise um die Welt

Wie oft vergessen wir, dass der Islam keineswegs nur in der Türkei, dem Iran und arabischen Staaten verbreitet ist, sondern fast überall auf der Welt Muslime leben und ihre Religion praktizieren - auf oft ganz unterschiedliche Art und Weise. Indonesien, Pakistan, Dubai, Frankreich, Serbien, Jemen, Palästina, Türkei - diese Bilderserie nimmt mit auf eine Reise um die Welt.

Vertraute Bilder

Beim Durchsehen der Bilder kam mir vieles vertraut vor, hatte ich doch in einigen der gezeigten Länder selbst schon Ramadan verbracht. Ein Text ist mir wieder eingefallen, den ich vor zwei Jahren für Muslime Helfen geschrieben habe - zu genau dem Thema, nämlich wie in Ländern rund um die Welt, all den Ländern, in denen ich in den letzten Jahren Ramadan verbracht habe, gefastet und gefeiert wird.

Ramadan in Paris, Bulgarien, London, Palästina, Indien...

Wie also feiert man Ramadan in ... Westdeutschland, Bulgarien, Ostdeutschland, Paris, Palästina, Indien, Pakistan, London? Hier geht es zu meinem in drei (eins, zwei, drei) Teilen veröffentlichten Text auf der Webseite von Muslime Helfen!

Montag, 1. Juli 2013

It could have been any of us

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A 31 year old mother stabbed to death in front of her three year old son.
A child who dies in his mother's womb before he is born.
A husband shot by security guards arriving at the scene who thought he, the Arab, was the attacker.
A court room which becomes the site of a heinous crime (when did they wash away the pool of blood?).
A media landscape which, in the aftermath of the killing, keeps on reporting about a "tragic incident" without mentioning the anti-Islamic, xenophobic elements of the attack (because Islamophobia doesn't exit).
A chancellor who ignores the murder for a week, then offers her condolences to the President of Egypt, and the family of the murdered, without addressing the Muslims of Germany, too (because clearly, we were not concerned at all). 


7 October 1977 - 1 July 2009


We will never forget

Donnerstag, 30. Mai 2013

Gegenöffentlichkeiten

Stine Eckert, Doktorandin am Philip Merrill College of Journalism der University of Maryland, spricht auf der re:publica 2013 über deutsche Muslime, die bloggen. (Jepp, und auch die Lieselotte wurde für die Studie interviewt.)


Mittwoch, 8. Mai 2013

Facing sexual abuse in the white community

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An excellent article by Joseph Harker, published in the Guardian on 6 May 2013

"You may think all the above is ridiculous; that I'm stirring ethnic tensions on an issue that is clearly about individuals and small groups of people and has nothing to do with race or religion. And that by making this spurious case I'm ignoring the core issue, which is that children, many of them in vulnerable situations, were terrorised and physically harmed by opportunistic men who were able to get away with their crimes for years. You'd be right.

But all of the above arguments were made within various parts of our print and broadcast media when similarly small numbers of Muslim men were revealed to be grooming young girls for sex. If you think the claims about white people are wrong, then so is the stereotyping of Britain's Muslims, and the widespread questioning of their culture and their religion, because of the perverted actions of a few."

Montag, 6. Mai 2013

Eine Woche im April

Boston, Terror und Muslime

Am Montagabend schreibt Naima, die ich aus London kenne und die seit einigen Monaten mit ihrem Mann in Boston lebt, von einer Explosion im Stadtzentrum Bostons, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, es ihr gut geht. Ihr Mann sei noch im Zentrum und versuche, nach Hause zu kommen. Ich bete, dass das kein Terroranschlag und keine Muslime waren und gehe schlafen, es ist schon spät.

Am Dienstag gibt es schon mehr Informationen. Ein Terroranschlag soll es gewesen sein. Naima ist fix und fertig, sie schreibt, sie hatte an dem Tag eigentlich vorgehabt, in die Bibliothek zu gehen, die nur wenige Meter vom Ort der Explosionen entfernt war. Wäre sie nicht zu müde gewesen an dem Tag, wäre sie zum Zeitpunkt des Anschlags vor Ort gewesen. Das ist das letzte Mal, dass sie schreibt; danach höre ich lange nichts mehr von ihr.

Es gibt schon mehr Informationen, aber wer hinter den Anschlägen steckt - da halten sich die Medien bedeckt. Ich bin erstaunt, positiv überrascht, dass keiner so richtig Spekulationen Vermutungen anstellen mag. Das war früher anders und die Schuldzuschreibungen ("vermutlich islamische Terroristen") schneller hervorgebracht. Wir scheinen doch etwas gelernt zu haben in den letzten Jahren. Oder ist das der Post-Breivik-Effekt und die Welt weiß jetzt, dass auch Nichtmuslime Terror können, sogar ganz gut? Ich bete, dass es keine Muslime waren.

Und natürlich gibt es auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis wieder so ziemlich alle möglichen Reaktionen. Von besorgten Bekannten, die in Boston studiert oder gearbeitet haben und nicht glauben können, dass so etwas in dieser Stadt, die sie als so offen und willkommenheißend erlebt haben, passiert bis zu angesichts des Medienhypes genervten Freunden, die daran erinnern, dass - hallo! - heute in Syrien über 200 Zivilisten getötet wurden - interessiert es jemanden?!

Am Mittwoch fahre ich mit der U-Bahn in die Stadt und bekomme eine Zeitung in die Hand. Das Bild des kleinen Jungen, der am Montag in Boston starb, bricht mir das Herz. Wie kann man einem Kind so etwas antun? Wie muss es den Eltern jetzt gehen? Ich mag es mir nicht vorstellen und muss mich zusammen nehmen, in dem vollen U-Bahn-Wagon nicht in Tränen auszubrechen.

Ich bin noch immer erstaunt über die Medienberichterstattung, die sich zumindest auf den Kanälen, über die ich davon mitbekomme, erstaunlich wenig spekulativ darstellt. Alles gut, denke ich, bis ich die Geschichte von dem saudischen Mann lese, der Opfer des Anschlags wurde, aber - obwohl unschuldig - wie ein Verdächtiger behandelt wurde. Verdammt, also doch. Die alten Reflexe sind noch aktiv. Und ich dachte, wir hätten etwas gelernt. 

Ismail, ein Bekannter aus London, der ursprünglich aus Südasien kommt und vier Jahre in den USA an einer der besten Universitäten des Landes studiert hat, kommentierte Obamas Statement nach den Anschlägen (“If you want to know who we are, what America is, how we respond to evil—that’s it. Selflessly. Compassionately. Unafraid") trocken: "I could think of a few more adjectives. Especially one that begins with an R." Rassist meinte er, rassistisch. 

In der Zwischenzeit heißt es, die Bauart der verwendeten Bomben erinnere an ähnliche Konstruktionen aus Pakistan und Afghanistan. Mir graut es. Also doch? Stehen doch Muslime hinter den Anschlägen?

Am Freitag verbringe ich einen Großteil des Nachmittags mit Camilo vor dem Fernseher. Er hat in den USA gelebt, hat Freunde dort und die Nachrichten seit Anfang der Woche wie gebannt gefolgt. Wir finden einen Nachrichtenkanal, wo die Berichterstattung nicht durch Fernsehserien, Werbung, Filme oder anderes unwichtiges Zeugs unterbrochen wird und bekommen die neusten Entwicklungen direkt in unser Wohnzimmer in London geliefert. In der Nacht wurde ein Polizeibeamter am MIT, wo einer von Alimustafas Cousins studiert hat, erschossen.

Während wir dort vor dem laufenden Fernseher sitzen, kommen mehr und mehr Informationen rein. Es wird vermutet, dass es sich um Tschetschenen handelt (oh nein!), ob es eine Verbindung zu tschetschenischen Terrorgruppen gibt, ist jedoch noch unklar (bitte nicht!), aber als ein paar Minuten später die Namen bekannt sind, bestätigt sich doch, was ich gehofft hatte, nicht wahrzusein. Das sind tschetschenische Namen. Es wird live berichtet, innerhalb von fünf Minuten hören wir drei verschiedene Varianten, in denen der Name der jüngeren Verdächtigen ausgesprochen wird (ist das so schwierig, hinzubekommen?!), und es wird klar: einer ist tot, der andere auf der Flucht.

Freitagabend sitzen wir wieder lange vor dem Fernseher, wie damals im März vor einem Jahr als wir verfolgten, was in Toulouse vor sich ging und ich bis spät die Berichterstattung auf Twitter verfolgte. Irgendwann, als sich die Aussagen der Reporter zu wiederholen beginnen, weil es nichts Neues zu berichten gibt, schalten wir ab. Ich denke an die Familien der bei den Anschlägen Getöteten; wie muss es sein, zu wissen, dass der, der wahrscheinlich das Attentat plante, ihre Kinder, den Bruder, die Schwester töte, weiter dort draußen unterwegs ist - vielleicht entkommt? Ich denke an die Bewohner der Stadt, an Naima, ich weiß gar nicht, in welchem Teil von Boston sie wohnt; hoffe, dass es weit weg ist von dem Ort, an dem der Verdächtige vermutet wird; dass sie sich sicher fühlt. 

Und ich denke an einen 19-Jährigen, der irgendwo alleine dort draußen unterwegs ist, der zum Mörder geworden ist, seinen Bruder verloren hat, vielleicht verletzt und jetzt von Bewaffneten gejagt wird. Was für ein Wahnsinn. Unschuldige töten, seinen Bruder verlieren, von der Polizei gejagt werden - für was? Ich kann mir nur zwei Ausgänge vorstellen, dass er geschnappt wird und den Rest seines Lebens im Knast verbringt oder auf der Flucht getötet wird; eins nicht besser als das andere; auch das Leben dieses 19-Jährigen - vorbei.

Am Samstagmorgen - wir haben ausgeschlafen, die Sonne scheint, das Lieschen will Frühstück, bevor es in den Park geht - ist die Hetzjagd in Boston vorbei. Kein weiterer Toter, zumindest das, und vielleicht wird der überlebende Verdächtigte wenigstens eine der Fragen beantworten können, die viele sich jetzt stellen. 

Auf mich warten eine Reihe von Artikeln zum Thema terrorism and whiteness, die ziemlich deutlich machen, dass auch, wenn die Berichterstattung (zumindest in Europa) dieses Mal viel professioneller war als so manches mal in der Vergangenheit, es doch immer noch verdammt viel zu tun gibt:




Mittwoch, 10. April 2013

Terror gegen Türken, Fremde, Muslime

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Oder: Warum die Bitte des KRM um einen offiziellen Platz im NSU-Gerichtssaal berechtigt ist

Es geht immer weiter um die Vergabe der Presseplätze im Gerichtssaal der bevorstehenden NSU-Verhandlung. 

Politische Aufregung um Presseplätze

In der Zwischenzeit melden sich die ersten Politiker zu Wort. Sigmar Gabriel spricht von "Borniertheit" des Gerichts und selbst Guido Westerwelle scheint begriffen zu haben, dass wir mal wieder so ein bisschen mit unserem Ansehen in der Welt jonglieren. Die türkische Zeitung Sabah hat in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingelegt und der türkische Außenminister hat auch was zum Thema zu sagen.

Neuer Akteur: der KRM

Ganz neu mit dabei: der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM). Mein erster Gedanke dazu: Wie, was wollen die denn? Auch mitspielen, oder was? Klar, gibt ja auch ne Menge Medienaufmerksamkeit...

Angriffe nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen Muslime

Noch mal drüber nachgedacht: Die NSU hat sich ausdrücklich nicht nur gegen Türken, Griechen, Ausländern sondern auch gegen Muslime gewendet. Das steht außer Frage. Damit, dass nicht nur Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit sondern auch Islamfeindlichkeit ein Problem in Deutschland sind, tun sich weite Teile der Öffentlichkeit noch immer schwer. Man denke nur an den Mord an Marwa El-Sherbini im Juli 2009, nach dem es tagelang hieß, "eine Ägypterin" sei ermordet worden. Marwa El-Sherbini wurde nicht (nur) ermordet, weil sie Ägypterin, "Ausländerin", Fremde war, sondern - ihr Mörder beschimpfte sie explizit als "Islamistin", "Terroristin" - (auch), weil sie Muslimin und als solche zu erkennen war.

Die Morde können nicht rückgängig gemacht werden, aber...

Die Übergänge zwischen Ausländer- und Islamfeindlichkeit sind oft nicht klar getrennt. Ob die Männer, die den NSU-Terroristen zum Opfer fielen, in erster Linie attackiert wurden, weil sie als Fremde angesehen wurden oder weil man Muslime angreifen wollte - wer weiß das schon? Für die Männer, die starben und ihre Familien spielt das wohl keine Rolle - vielleicht aber in der Auseinandersetzung um die Vergabe der reservierten Plätze im Gerichtssaal. Denn hier geht es längst nicht mehr nur um Enver, Abdurrahim, Süleyman, Habil, Mehmet, Ismail, Theodoros, Mehmet, Halit (und Michèle) und ihre Familien, sondern darum, wie diese Gesellschaft, dieser Staat mit der Terrorserie umgeht, wie sie sie erklärt, welche Schlüsse sie zieht. Was geschehen ist, die Morde können nicht rückgängig gemacht werden, aber dieser Staat und seine Bürger können deutlich machen, dass rechtsextremistischer Terror nicht straffrei bleibt, dass er inakzeptabel ist und wir uns dagegen stellen.

Interesse des KRM berechtigt

Wenn die NSU-Truppe Drohschreiben auch an islamische Einrichtungen verschickt hat, dann war das eindeutig auch ein Angriff auf Muslime. Nicht nur auf "Ausländer". Und dann ist das Interesse des KRM auch berechtigt. Bei der Verhandlung zu einer Terrorserie, der in Deutschland lebende Israelis zum Opfer fielen (Gott bewahre), sollte schließlich auch Platz für den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland sein, falls dieser darum bäte. Insofern ist die Reaktion des Gerichts auf die Bitte des KRM um einen offiziellen Platz - falls die Auseinandersetzung so stattgefunden hat wie in oben zitiertem Spiegel Online-Artikel beschrieben - nicht wirklich verständlich. 

Bleibt zu hoffen...

Bleibt zu hoffen: dass eine Lösung vor Beginn des Prozesses gefunden wird. Dass, ja, das hatten wir schon, die Damen und Herren in München mal ein Probetraining zum Thema "Politische sensible Themen und der Umgang mit denselben" ausprobieren. Und, last but not least, dass dem KRM nicht erst, als der Streit um die Vergabe der Plätze schon im Gange war, eingefallen ist, dass er auch gerne dabei wäre.

Es bleibt spannend

Es bleibt spannend (und der Prozess hat noch nicht einmal begonnen).

Mittwoch, 3. April 2013

Alles wird gut

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So, das Problem mit der Vergabe der festen Presseplätze während des NSU-Prozesses wäre gelöst. Geht doch!

Samstag, 30. März 2013

Na ja, oder so...

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Lokalblättchen in Ostlondon...


...Qualitätsjournalismus ... immer am Puls der Zeit ...
national relevante Fragen aus lokaler Perspektive beleuchtet...


Na ja, oder so...

Ostlondon, März 2013

Donnerstag, 28. März 2013

Dumm gelaufen

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Oder: Juristisch korrekt, politisch ungeschickt

Aufregung im Vorfeld des Prozesses gegen Beate Zschäpe, eine der NSU-Terroristen: Von 50 Plätzen für während der Verhandlung akkreditierte Journalisten wurde nur einer an ausländische Medienvertreter vergeben. Keines der acht türkischen Medien, die sich um Akkreditierung beworben hatte und die, da acht der neun NSU-Opfer türkischer Abstammung waren, ein besonderes Interesse am Prozess haben, wurde angenommen. Das Gericht verweist auf gängige Vergabeverfahren, doch selbst unter einigen der akkreditierten Journalisten kommt Unmut auf. Bild bietet seinen Platz der türkischen Zeitung Hürriyet an, und eine Reihe anderer Medienvertreter überlegen ebenfalls, wie die begrenzten festen Plätze im Saal eventuell zu teilen wären.

Standardmäßige Vorgehensweise oder politische Sensibilität

Und man fragt sich, ob die Juristen und Verwaltungsbeamten vor Ort wirklich nicht begriffen haben, dass standardmäßige Vorgehensweisen schön und gut sind, aber ein bisschen politische Sensibilität zur rechten Zeit auch ganz nett sein kann. Und ich denke an ausländische Reaktionen auf die unsägliche Erklärung Merkels, "Multikulti" sei "gescheitert" oder auf den Umgang der deutschen politischen Elite und Justiz mit dem Mord an Marwa El-Sherbini zurück, der uns im Ausland mehr bad publicity beschert hat als ich es mir jemals hätte erträumen können.

Ein kleines bisschen Gespür für brisante Fragen, bitte

Wir sitzen nicht einfach nur in München und halten uns da an unserem Oberlandesgericht an unsere Auslegung der Vorschriften, egal, was bei rauskommt. Wir sitzen mitten in Europa und die Welt guckt uns über die Schulter. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir persönlich ist es lieber, wenn dieses Land als offen, tolerant, weltgewandt bekannt ist. Und nicht als die, die juristisch korrekt aber politisch unklug handeln und irgendwie nicht so richtig begriffen haben, dass ein kleines bisschen politisches Gespür für sensible Fragen verdammt noch mal nicht schadet. - Mensch, haben die keinen Political Advisor, der die Damen und Herren mal hätte briefen können?!

Dienstag, 26. Februar 2013

Alltagsrassismus

Version Diskotür

"Dunkle Haut, dunkle Haare, dunkle Augen: Vor allem junge Männer kommen wegen ihres Aussehens oft nicht in die angesagten Clubs. Einige Studenten wehren sich jetzt gegen die Diskriminierung - mit Erfolg." Mehr auf Spiegel Online...

Mittwoch, 20. Februar 2013

Wie Kalifornien ... und Iran

"Stellt euch ein Land vor, das derart konservativ ist, dass es nicht mal einen öffentlichen Verkehr am Sabbat erlaubt. (...) so wie in Iran. (...) gleichzeitig sind wir Israelis so liberal, dass wir zum Eurovision-Songwettbewerb jemand schicken, der transsexuell ist, und wir uns enorm dafür einsetzen, dass diese Person auch gewinnt. (...) wie in Kalifornien (...).  Ja, (...) Israel ist ein bisschen wie Iran und ein bisschen wie Kalifornien. (...) nichts ist in diesem Land konsistent."

Im FR-Interview erzählt der israelische Schriftsteller Etgar Keret über das Leben in Israel, den Konflikt zwischen Israelis und Arabern, das Schreiben und wie es ist, ein Kind in einem Krisengebiet großzuziehen.

Tel Aviv bei Nacht
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Freitag, 8. Februar 2013

Stalingrad 2.0

70 Jahre ist es her, dass die Schlacht von Stalingrad ein Ende fand. Jedenfalls größtenteils, teilweise zogen sich die Kampfhandlungen noch bis in den März. In seinem Blog auf zeit.de schreibt Jörg Lau, der dort sonst seine Meinung zu Religion und Politik, vor allem auch in der muslimischen Welt, zum Besten gibt, was Stalingrad mit seiner Familie machte. 70 Jahre später, immer noch da:

"Überall Stalingrad-Gedenken. Ich kann das nicht lesen, nur überfliegen. Stalingrad hat meine Familie kaputt gemacht. Jedenfalls die eine Hälfte davon. Ich hatte das Glück, in der anderen aufzuwachsen." Mehr...

Sonntag, 6. Januar 2013

Übergangsphase

"Wir befinden uns in einer Übergangsphase", meinte Tariq Ramadan neulich im ZEIT-Interview mit Kübra (Gümüsay). Und ganz genauso ist es. Die, die lange kaum sichtbar waren; oft kaum gebildet, schlechte Jobs besetzten und in der Öffentlichkeit eher weniger wahrnahmbar waren, die werden sichtbarer, hörbarer. Haben bessere Ausbildungen, wollen bessere Jobs, auch dazugehören, sichtbar sein, anerkannt werden.

Und das wird auch so kommen, weil wir - Gott sei Dank - in einer demokratischen Gesellschaft leben, in der das möglich ist. Alles andere - die Seppels von PI und Pro-was-noch-mal, Henryk Broder und Kohorten, selbst einer wie dieser Breivik aus Norwegen - ist nur ein letztes Aufbäumen derer, die gerne weiterhin eine weiße, westeuropäische, bloß-nicht-muslimische, überhaupt-nicht-multikulturelle Gesellschaft wollen.

Die Reaktionen sind so heftig, weil sie vielleicht sogar wissen, dass bald Schluss ist mit dem Quatsch, dass bald alle dazugehören dürfen und jeder so sein kann, wie er will. Nicht hundertprozent, aber ein bisschen mehr als jetzt. So wie in London zum Beispiel. Wir befinden uns in einer Übergangsphase. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Mittwoch, 28. November 2012

Betreuungsgeld auf Norwegisch

Bei der ganzen Diskussion über das Betreuungsgeld haben mich am meisten zwei Dinge gestört. Einmal, wie ideologisch die Debatte geführt wurde. Man kann ja über vieles sprechen - aber muss es dann gleich immer in weltanschauliche Grabenkämpfe ausarten? Und zweitens, dass die europäische Perspektive so ziemlich weitgehend übersehen wurde. Wenn es bei Nachbars ähnliche Erfahrungen gibt, warum schaut man dann nicht mal über den Tellerrand und schaut, ob sich da was übertragen läßt?

In einem Beitrag in der Welt tut genau das die Norwegerin Ingrid Brekke. Mehr davon!