Montag, 9. Mai 2011

Letztens gelesen (08)

Kristiane Backer: Der Islam als Weg des Herzens. Warum ich Muslima bin. Berlin: Ullstein Taschenbuch, 2010.

Von MTV...

Als die aus einem protestantischen Elternhaus stammende Kristiane Backer 1989 von Hamburg nach London ging, um dort als erste deutsche Moderatorin für MTV Europe als VJ zu arbeiten, war nicht zu ahnen, dass sie unter Europas Jugendlichen selbst bald als Star gelten würde. Treffen mit Heino, Dinner mit Seal, Partys mit Mick Jagger - Kristiane führt ein Leben, von dem viele ihrer Altersgenossen träumten.

...nach Mekka

Doch etwas fehlte. 1995 trat Kristiane, die die Religion über ihren damaligen Freund, den pakistanischen Nationalspieler Imran Khan kennen gelernt hatte, zum Islam über. Die beiden trennten sich - und Kristiane blieb Muslimin. Weshalb - und wie es weiter ging, wie sie versuchte, ihre muslimische Religion und europäische Identität in Einklang zu bringen; wie ihr Umfeld, Freunde, Bekannte, die Öffentlichkeit auf ihre Konversion reagierten - und wie sie als Europäerin so manche Entwicklung in der muslimischen Welt sieht, schildert sie sehr anschaulich in der erweiterten Ausgabe ihrer Autobiographie, die zum ersten Mal unter dem Titel Von MTV nach Mekka erschien.

Der Islam als "Weg des Herzens"

Kristiane Backer ist Sufi, und ihr Islam ist geprägt von Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Verständnis und Toleranz. Mit der Unterdrückung von Andersgesinnten, von Anhängern anderer Religionen, von Frauen im Namen der Religion kann sie nichts anfangen - und kann das auch theologisch begründen. Dass viele Muslime das Wesentliche ihrer Religion vergessen zu haben scheinen und stattdessen Äußerlichkeiten überbewerten, kritisiert sie deutlich.

Lesenswert

Ein sehr ehrliches, leicht lesbar geschriebenes Buch mit sehr gutem Glossar am Ende - lesenswert für Muslime und Nichtmuslime. Einzig Kristiane Backers Tendenz, im Text immer mal wieder davon zu sprechen, wie "die Muslime" dies empfinden, das sehen und jenes handhaben würden, hat mich etwas irritiert. Ein "viele Muslime", "die meisten Muslime" hätte da besser gepasst. Trotzdem: ein tolles Buch.

Sonntag, 8. Mai 2011

(Anti)Semiten

In Diskussionen, in denen es um Judenfeindlichkeit unter Muslimen geht, hört (und liest) man immer wieder, dass Araber selbst Semiten seien (sind sie) und daher gar keine Antisemiten sein könnten.

Ach nein?

Nur, weil ich aus München komme, kann ich keine Abneigung gegen Münchner haben? Nur weil ich Deutscher bin, kann ich nicht die Deutschen hassen? Ein Kölner kann nichts gegen einen Düsseldorfer haben, weil sie ja beide aus dem Rheinland kommen?

In mancher Diskussion schadet ein kleiner Hinweis auf die kulturelle Nähe von (orientalischen) Juden und Arabern, auf die enge Verwandtschaft der hebräischen und arabischen Sprache nicht - weil sie so manchem, der "die Araber" als essentiell anders, fremd, rückständig darstellt, tatsächlich nicht bekannt ist. Aber dass Araber keine Antisemiten sein können, weil sie selbst Semiten sind, ist so eine dumme Aussage, dass ich mich immer wieder frage, wie es kommt, dass sie mir seit Jahren wieder und wieder begegnet in Diskussionen zum Konflikt im Nahen Osten und Problemen in Europas großen Städten.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Bin Laden ist tot

"I mourn the loss of thousands of precious lives, but I will not rejoice in the death of one, not even an enemy. Returning hate for hate multiplies hate, adding deeper darkness to a night already devoid of stars. Darkness cannot drive out darkness: only light can do that. Hate cannot drive out hate: only love can do that."

Martin Luther King, Jr

Dienstag, 3. Mai 2011

Sonntag, 1. Mai 2011

Zeitzeuge

Letztes Jahr war das Ende des Zweiten Weltkriegs 65 Jahre her. Lange wird es nicht mehr Menschen geben, die die Zeit des Nationalsozialismus miterlebt haben und darüber aus erster Hand berichten können. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich sehe, dass die "Zeitzeugen", die heute von damals berichten, von ihren Kinder- und Jugendjahren erzählen. Von denen, die damals erwachsen waren, lebt kaum noch einer. Und bald wird auch von denen, die damals Kinder waren, keiner mehr da sein.

Nächste Woche gibt es in Berlin die Möglichkeit, Helmut Steinitz aus Posen, der als Jugendlicher Ghetto und Lager überlebt hat, sprechen zu hören.

12. Mai 2011, 18 Uhr

"Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Ort der Information, Cora-Berliner-Straße 1, 10117 Berlin

Programm

Begrüßung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas; Grußwort: Günter Saathoff, Vorstand der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«; Gespräch: Zwi Helmut Steinitz und Prof. Dr. Joachim Rogall

Anmeldung: Bitte melden Sie sich per E-Mail unter info@stiftung-denkmal.de oder telefonisch +49 030 26 39 43 - 0 bis spätestens 9. Mai 2011 an und planen Sie am Tag der Veranstaltung ausreichend Zeit für die Sicherheitskontrollen ein."