Heute ist der Internationale Hebammentag.
Der steht dieses Jahr ganz im Zeichen einer Protestaktion des Deutschen Hebammenverbands, die sich gegen die geplante Haftpflichtprämienerhöhung richtet, die vielen Hebammen die Existenzgrundlage entziehen würde. Ab Juli 2010 soll die Verordnung in Kraft treten. Im Krankenhaus mag man dann zwar noch auf Hebammen treffen, aber eine von ihnen betreute Hausgeburt oder eine Entbindung im Geburtshaus könnte dann schon bald nicht mehr so möglich sein, wie es zurzeit noch der Fall ist.
Dabei fällt schon heute ins Auge, wie wenig die, die jede Entbindung begleiten (ein Arzt alleine darf gar keine Geburt leiten), für ihre Arbeit bekommen: keine 240 Euro für eine Geburt im Krankenhaus, weniger als 450 Euro für eine Geburt im Geburtshaus und nicht mal 540 Euro für eine Hausgeburt. Wäre es dabei nicht im Interesse der Mütter, der Kinder und auch der Väter auf gut bezahlte, ausgeruhte, zufriedene Geburtsbegleiterinnen im Geburtszimmer zu treffen? Dass das Wohlbefinden der Frauen eine Auswirkung auf den Geburtsverlauf hat, ist kein Geheimnis. Dass das vor allem durch eine liebevolle, individuelle Betreuung erreicht werden kann, dürfte jetzt auch nicht überraschen.
Wieso also schauen wir dann zu, wie Hebammen so schlecht bezahlt werden, dass man davon kaum leben kann? Wieso sagen wir nichts, wenn Krankenschwestern auf der Wöchnerinnenstation acht Stunden ohne Pause durcharbeiten, weil für Pausen keine Zeit ist? Sollte nicht auch in Zukunft jede Frau selbst entscheiden können, wo sie ihr Kind auf die Welt bringen möchte, sei es nun im Krankenhaus, zu Hause oder im Geburtshaus?
Die Petition der Hebammen kann hier unterschrieben werden.
Mittwoch, 5. Mai 2010
Dienstag, 4. Mai 2010
Hilarious
Köstlich: dieser Artikel der jüdischen Britin Deborah Ross, die einen Tag lang die führenden Köpfe der British National Party (BNP) beim Stimmenfang begleitet hat.
Montag, 3. Mai 2010
Es ist an der Zeit...
... Europa neu zu denken.
Ein überlegenswerter Vorschlag zum Thema wurde kürzlich im Economist veröffentlicht.
Ein überlegenswerter Vorschlag zum Thema wurde kürzlich im Economist veröffentlicht.
Sonntag, 2. Mai 2010
Der letzte Abend
An meinem letzten Abend in London war ich bei Amirdamoon und Jeanettesophie zu Besuch. Er kommt aus dem Iran, hat dort auch studiert und arbeitet nun seit drei Jahren bei einer amerikanischen Firma in London. Sie ist Journalistin, wir kennen uns vom Studium in Paris und im Nahen Osten waren wir auch zusammen unterwegs. Sie ist Französin, hat schon in der Schule Arabisch gelernt und spricht es in der Zwischenzeit fließend. In London hat sie in der Arabischen Redaktion eines Fernsehsenders gearbeitet, jetzt will sie aber wieder zurück nach Paris, London ist nicht ihre Stadt. Amirdamoon wohnt in einer kleinen Wohnung, die einem Verwandten gehört. Das Viertel ist nett: fünf Minuten sind es zur nächsten tube-Station, ein- bis zweistöckige Häuschen säumen die kleine Hauptstraße, an der persische Cafés liegen, eine kleine Pizzeria, arabische Obst- und Gemüsehändler, eine kleine Autowerkstatt, brasilianische Kramerläden und John's Butcher Shop.
Nach dem Essen, Amirdamoon hatte gekocht (und bis auf den hellbeigen Teppich, der mir in Kombination mit dem Lieschen, dass darüber in Tomatensauce geschmorte Auberginen aß, nicht ganz geheuer war, war das ganz wunderbar), saßen wir auf dem weißen Ledersofa und dann rief Amirdamoons Neffe an. Der war 18, auch aus dem Iran, seit kurzer Zeit zum ersten Mal in London, und berichtete jetzt am Telefon aufgeregt von seinem ersten Kuss. Und Amirdamoon lachte und erzählte, dass eben dieser Neffe sich vor einer Weile für die Bibelstunde angemeldet hatte, weil es hieß, dort gingen die hübschen Mädchen hin. Und als der Kurs nach einigen Wochen vorbei war, meinte der Neffe, er habe das noch nicht alles ganz richtig verstanden und würde deshalb gerne noch einmal an dem Kurs teilnehmen, noch einmal fünf Wochen mit den Mädchen. Auf Persisch heißt Jesus "Issa", von "Dschiiiiii-sös" hatte der Neffe noch nichts gehört und fragte dann allen Ernstes am Ende des Kurses, was das denn bitte sei.
Irgendwann haben die beiden noch Karamellpudding gemacht, Amirdamoon hat seinen Hafis-Band herausgeholt und für Jeanettesophie einen Vers herausgesucht und ihn ihr ins Englische übersetzt, weil Persisch spricht sie nicht, und dann sind wir auch bald ins Bett gegangen, es war nämlich schon spät.
Nach dem Essen, Amirdamoon hatte gekocht (und bis auf den hellbeigen Teppich, der mir in Kombination mit dem Lieschen, dass darüber in Tomatensauce geschmorte Auberginen aß, nicht ganz geheuer war, war das ganz wunderbar), saßen wir auf dem weißen Ledersofa und dann rief Amirdamoons Neffe an. Der war 18, auch aus dem Iran, seit kurzer Zeit zum ersten Mal in London, und berichtete jetzt am Telefon aufgeregt von seinem ersten Kuss. Und Amirdamoon lachte und erzählte, dass eben dieser Neffe sich vor einer Weile für die Bibelstunde angemeldet hatte, weil es hieß, dort gingen die hübschen Mädchen hin. Und als der Kurs nach einigen Wochen vorbei war, meinte der Neffe, er habe das noch nicht alles ganz richtig verstanden und würde deshalb gerne noch einmal an dem Kurs teilnehmen, noch einmal fünf Wochen mit den Mädchen. Auf Persisch heißt Jesus "Issa", von "Dschiiiiii-sös" hatte der Neffe noch nichts gehört und fragte dann allen Ernstes am Ende des Kurses, was das denn bitte sei.
Irgendwann haben die beiden noch Karamellpudding gemacht, Amirdamoon hat seinen Hafis-Band herausgeholt und für Jeanettesophie einen Vers herausgesucht und ihn ihr ins Englische übersetzt, weil Persisch spricht sie nicht, und dann sind wir auch bald ins Bett gegangen, es war nämlich schon spät.
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Samstag, 1. Mai 2010
Gibt's das?
Deutsche Muslima (nicht: deutsch-tuerkische Ex-Muslimin; nicht: deutscher Islam-"Experte", der noch nicht mal weiss, wie man "Scharia" ins Deutsche uebersetzt; nicht: libanesischer Christ, den man halt mal zu seiner Meinung zum Islam fragt) schreibt in deutscher Zeitung ueber Muslime und Islam - gibt's das? Ja. Manchmal. Selten.
Deutsche Muslima schreibt in anerkannter deutscher Qualitaetszeitung (nicht: in im Selbstverlag herausgegebener Vierblaettler des lokalen Verbands arabischer Geistes- und Sozialwissenschaftler; nicht: in obskurer linker Internetzeitung; nicht: in so nem Blog wie diesem hier) ueber Muslime und Islam - gibt's das? Ja. Manchmal. Hin und wieder.
Deutsche Muslima, die selbst Kopftuch traegt (nicht: die meint zu wissen, wie es sich unterm Kopftuch anfuehlt, ohne selbst die Erfahrung gemacht zu haben, es in Deutschland zu tragen; nicht: die meint, fuer diese Frauen sprechen zu muessen, als koennten sie das nicht selbst tun) schreibt in anerkannter deutscher Qualitaetszeitung ueber Muslime und Islam und wie es so ist, als die, die sie ist, in Deutschland unterwegs zu sein - gibt's das? Jaaaaa, naja, soll schon mal vorgekommen sein. Oder?
Und jetzt: eine Kolumne einer solchen jungen Frau, die alle 14 Tage erscheint und in der nur sie ueber nur dieses Thema schreibt - na, was meint ihr?
Ja.
Seit ungefaehr zwei Wochen findet sich in der taz eine Kolumne namens "Das Tuch" (vom Titel bin ich nicht ganz ueberzeugt, aber gut...), in der eine junge Frau namens Kübra Yücel (Lieselotte berichtete) alle 14 Tage ueber Islam, Muslime und so weiter schreiben wird.
Find ich gut, find ich richtig gut.
Deutsche Muslima schreibt in anerkannter deutscher Qualitaetszeitung (nicht: in im Selbstverlag herausgegebener Vierblaettler des lokalen Verbands arabischer Geistes- und Sozialwissenschaftler; nicht: in obskurer linker Internetzeitung; nicht: in so nem Blog wie diesem hier) ueber Muslime und Islam - gibt's das? Ja. Manchmal. Hin und wieder.
Deutsche Muslima, die selbst Kopftuch traegt (nicht: die meint zu wissen, wie es sich unterm Kopftuch anfuehlt, ohne selbst die Erfahrung gemacht zu haben, es in Deutschland zu tragen; nicht: die meint, fuer diese Frauen sprechen zu muessen, als koennten sie das nicht selbst tun) schreibt in anerkannter deutscher Qualitaetszeitung ueber Muslime und Islam und wie es so ist, als die, die sie ist, in Deutschland unterwegs zu sein - gibt's das? Jaaaaa, naja, soll schon mal vorgekommen sein. Oder?
Und jetzt: eine Kolumne einer solchen jungen Frau, die alle 14 Tage erscheint und in der nur sie ueber nur dieses Thema schreibt - na, was meint ihr?
Ja.
Seit ungefaehr zwei Wochen findet sich in der taz eine Kolumne namens "Das Tuch" (vom Titel bin ich nicht ganz ueberzeugt, aber gut...), in der eine junge Frau namens Kübra Yücel (Lieselotte berichtete) alle 14 Tage ueber Islam, Muslime und so weiter schreiben wird.
Find ich gut, find ich richtig gut.
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