Freitag, 5. Juli 2013

Studienfahrt: Geteilte Städte und Regionen

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"Tschechisches Toáín, polnisches Cieszyn, 
Teschener Schlesien 
Exkursion vom 12. bis 15. September 2013 
für Studierende, junge Berufstätige und Multiplikatoren 

Vielschichtige Erinnerungslandschaft

Geteilte Städte wie Guben/Gubin oder Görlitz/Zgorzelec und Regionen wie die Lausitz und Schlesien dienen längst als Erinnerungsorte für die wechselvolle Geschichte Mitteleuropas. Doch nur einige Kilometer weiter südöstlich existiert mit dem habsburgisch geprägten, multiethnischen Teschener Schlesien ein eher vergessenes Gebiet, das nicht nur aufgrund seiner Teilung zwischen Polen und der Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg als vielschichtige Erinnerungslandschaft zur Erkundung einlädt. 

Regionale Identitäten statt nationale Zuordnungen

Die Region, heute zumeist als Teschener Schlesien bezeichnet, war viele Jahrhunderte lang das Herzogtum Teschen mit der Hauptstadt Teschen (tschech. OEeáky Toáin, poln. Cieszyn). Hier prägten sich zahlreiche Besonderheiten aus: So hatten regionale Identitäten wie zschlonsakischoe viel stärkeres Gewicht als die nationalen Zuordnungen polnisch, tschechisch oder deutsch, und die sonst katholischen Polen bildeten eine protestantische Enklave, zeitweilig die einzige in den westlichen habsburgischen Ländern. 

 Preußen, Österreich, Polen, Tschechoslowakei

Nach der Teilung Schlesiens zwischen Preußen und Österreich verblieb das Herzogtum Teschen beim Habsburgerreich. Wegen der Kohlevorkommen und Transportwege war es nach dem Ersten Weltkrieg umstritten und wurde 1920 geteilt: Das benachbarte und für das Teschener Land wirtschaftlich entscheidende Kohlerevier um Ostrau (tschech. Ostrava, poln. Ostrawa) mit der Kaschau-Oderberger-Bahn kam an die Tschechoslowakei, an Polen der agrarisch geprägte östliche Teil mit der Stadt Bielsko-BiaÂa an der Grenze zu Galizien. Der Fluss Olsa (tschech. Oláe, poln. Olza) teilte Teschen in ein polnisches und ein tschechoslowakisches Stadtgebiet; bis heute führt die Grenze durch die Stadt. 

Auf den Spuren der Teilung

Inhaltliche Schwerpunkte der Studienreise In OEeáky Toáin/Cieszyn begeben wir uns auf Spuren der Teilung und erfahren, wie die Aufspaltung eines bis dahin intakten Stadtraumes in einen polnischen und einen tschechoslowakischen Teil vollzogen wurde. Wir lernen dabei auch den Nachbau des funktionalistischen Kaffeehauses Avion kennen, der als Symbol des multiethnischen Teschen an der Stadtbrücke über den Fluss wacht. In Cieszyn besuchen wir die Jesuskirche, die Mutterkirche der evangelischen Christen in Polen, die größte evangelische Kirche des Landes. Auch die jüdische Gemeinde der Stadt war bedeutend, wovon noch heute ihr Friedhof im polnischen Teil der Stadt zeugt. Unseren Aufenthalt in Teschen rundet ein Treffen mit der polnischen Minderheit in der Tschechischen Republik ab. 
 
Ehemaliger Konfliktherd

Nach Ostrava fahren wir über Bohumín (deutsch Oderberg) auf den Gleisen der geschichtsträchtigen Kaschau-Oderberger-Bahn. Sie verband das Kohle- und Industrierevier um Karviná und Ostrava mit der damals oberungarischen Stadt Kaschau (slowak. Koáice) in der heutigen Ostslowakei und war zusammen mit den Kohlevorkommen Konfliktherd zwischen Polen und der Tschechoslowakei. Wir besuchen eine der ehemaligen Hütten, von denen einige für die Weltkulturerbeliste der UNESCO vorgeschlagen sind. 

Verbliebene deutsche Minderheit in der Region

Im polnischen Teil des Gebiets beschäftigen wir uns in Bielsko-BiaÂa (deutsch Bielitz) mit der verbliebenen deutschen Minderheit in der Region. Die Stadt stellte bis zum Zweiten Weltkrieg eine deutsche Sprachinsel dar, die Deutsche Gesellschaftlich-Kulturelle Vereinigung Beskidenland widmet sich heute der Pflege der deutschen Sprache und Kultur. Wir beschließen unsere Exkursion in den Beskiden, dem westlichen Ausläufer der Karpaten, und lassen unsere Erlebnisse am Lagerfeuer ausklingen. 

Teilnahme und Vorbereitung 

¢ Die Exkursion richtet sich an Studierende, junge Berufstätige, Multiplikatoren, vor allem aus D, CZ, PL, mit Interesse für eine vergessene, multiethnische Kulturregion. 
¢ Exkursionssprache: deutsch, Polnisch- und Tschechischkenntnisse willkommen 
¢ Teilnehmerzahl: 20, Teilnahmegebühr: 40 ¬ 
¢ Die TeilnehmerInnen der Studienreise erhalten einen Reader und erarbeiten sich im Vorfeld einzelne Stationen, die sie vor Ort präsentieren. 

Leistungen 

¢ Hin-/Rückreise, 3 Übernachtungen, Verpflegung vor Ort (Frühstück, Mittag- und Abendessen) 
¢ Führungen u. Gespräche m. verschiedenen Experten 
¢ Arbeitsmaterialien (Reader, gesonderte Literatur) 

Anmeldung 

Bitte kurzen Lebenslauf mit knapper Begründung des Interesses bis zum 25.8.2013 senden an: Ariane Afsari, E-Mail: afsari@kulturforum.info, Tel. 0331/2009838


Ariane Afsari
Fachreferate Verlag
Kulturelle Bildung Deutsches Kulturforum östliches Europa 
Berliner Straße 135
Haus K1 
14467 Potsdam 
 
 Tel. +49 (0)331 20098-38 
Fax +49 (0)331 20098-50  
afsari@kulturforum.info  
www.kulturforum.info"

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Multiplikatoren?

Lieselotte hat gesagt…

Leute, die selbst als Teamer oder Trainer oder Projektmanager an diesen (oder verwandten) Themen arbeiten.

Multiplikator = jemand, der die Effekte, auf die diese Arbeit abzielt, potentiell multipliziert, in dem er (oder sie) die Ideen weiterverbreitet, Knowhow-Transfers einleitet usw.